DevilDriver - Winter Kills - Cover
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DevilDriver Winter Kills


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Hart, härter, Devildriver – „Winter Kills“ tötet alle Geschmacksnerven.

Kompromisslosigkeit war noch nie ein großes Problem für Devildriver. Die Truppe von Dez Fafara, der sich kurz vor der Auflösung seiner Erstgeburt Coal Chamber im Jahr 2002 lediglich ein zweites Standbein aufbauen wollte, kann in einem Track genüsslich im Midtempo die Matte kreisen lassen, während anschließend die Hölle losbricht und uns ein Groove-Inferno heimsucht, das letzten Endes nur mehr verbrannte Erde zurücklässt. Vorläufiger Höhepunkt dieser dynamisch-agilen Achterbahnfahrt war das vorzügliche Thrash/Death-Geschnetzel „Pray For Villains“ (07/2009), welches der Band einen vorzüglichen 35. Platz in den amerikanischen Billboard Charts bescherte und die übrige Mannschaft (Jeff Kendrick (Gitarre), Mike Spreitzer (Gitarre) und John Boecklin am Schlagzeug) noch kompakter agieren ließ, was das stark progressiv angehauchte „Beast“ (02/2011) zur Folge hatte, den Fans aber eine Spur zu durchtrieben war.

Mit „Winter Kills“ heißt es nun daher zurück an den Start, denn nicht nur der Vertrag mit Roadrunner kam zu einem Ende, auch Langzeitbassist Jonathan Miller strich die Segel. Fündig wurden Fafara & Co. beim österreichischen Metal-Indielabel Napalm Records und gemeinsam mit Chris Towning, der vom Tourbassist zur Vollzeitkraft umfunktioniert wurde, geht es mit Album Nummer sechs erneut mit voller Wucht in die Moshpits dieser Welt, obwohl sich musikalisch kaum etwas getan hat. Nach den etwas über 50 Minuten von „Winter Kills“ stellen sich nämlich weder Glücks- noch Hassgefühle ein, die Scheibe wird einfach als weiteres Exemplar metallischer Zerstörungswut des in Santa Barbara beheimateten Acts angesehen. Schuld an dieser Gleichgültigkeit ist der ständige Zug nach vorne, das unablässige „Höher, schneller, weiter“-Gebärden, welches in ähnlicher Form schon die letzten Lamb Of God-Outputs heimsuchen durfte.

Natürlich werden Devildriver damit nicht gleich zur schlechtesten Band auf Erden und Langzeitfans müssen auch nicht um die kreative Ader ihrer Lieblinge bangen, aber das Dauergeknüppel, so technisch eindrucksvoll und groovy es auch sein mag, steht sich spätestens ab der Hälfte selbst im Weg und lässt den Hörer das Interesse an den einzeln betrachtet vorzüglichen Nummern schneller vergessen, als einen runden, durchdachten Spannungsbogen zu liefern, dem man sich immer und immer wieder aussetzen möchte. Dabei trifft Devildriver-Vorstand Dez den Nagel auf den Kopf, wenn er meint „Metal is a very empowering thing, the same way God is an empowering thing“, denn immerhin evoziert das unablässige Hardcore-Gekeife und raue Geschrei des Frontmannes Emotionen, die selbst der schwärzesten Seele nach 20 Minuten, gepaart mit donnernden Doublebasseinlagen und Riffeinlagen aus dem Vorhof der Hölle, zum Hals raus hängen.

Hervorstechende Höhepunkte wie das mit herrlich variabler Gitarren- und Schlagzeugarbeit ausgestattete „The appetite“, der Rifforkan „Curses and epitaphs“, bei dem man sich mitten im Auge des Sturms befindet, oder das mit einer fiesen Hookline veredelte „Tripping over tombstones“ zeugen zwar von der beständigen Klasse, die das Songwriting von Devildriver nach über zehn Jahren besitzt, aber wenn die restlichen Tracks lediglich als ebenso brachiale Kopie fungieren, dabei aber denkwürdige Momente vermissen lassen, dann positionieren sich Devildriver mit dem neuesten Streich locker über dem ziellosen, selbstbetitelten Erstling (10/2003), stehen aber bereits kurz danach wegen des hohen Blutdrucks vor einer undurchdringlichen Mauer, die das Erklimmen höher gelegener Wertungsebenen verweigert.

Dummerweise besinnt sich der Fünfer erst ganz zum Schluss im Awolnation-Cover „Sail“ eines Besseren (Dez ist durch seinen Sohn auf die Nummer aufmerksam geworden) und agiert besonnener und ruhiger, liefert mit der Neufassung des Electronic Rock-Dauerbrenners mit Schunkelrhythmik und Frauengesang allerdings mehr einen Beitrag aus der Kategorie „gewöhnungsbedürftiges Material für Die Hard-Fanatiker“ anstatt wirklich aus dem Vollen zu schöpfen. Ob Devildriver mit diesem Cover andeuten wollen, dass mit dem nächsten Album kommerziellere Gefilde angesteuert werden, darf bezweifelt werden. Eines ist aber sicher: Eine kreative Schaffenspause würde den Jungs sicherlich gut tun und den Groove/Thrash/Death Metal-Motor wieder auf Vordermann bringen, selbst wenn dabei schlussendlich zugänglicheres Terrain beschritten wird. Und wenn es dazu möglicherweise die Hilfe seines 15-jährigen Sohnes benötigt - warum nicht?

Anspieltipps:

  • The Appetite
  • Curses And Epitaphs
  • Tripping Over Tombstones

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