Thundercat - Apocalypse - Cover
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Thundercat Apocalypse


  • Label: Brainfeeder/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Funkige Jazz-Fusion mit größtenteils fesselnder Instrumentalisierung.

Stephen Bruner hat sich unter seinem Künstlernamen Thundercat wieder mit seinem Labelchef Flying Lotus zusammengetan. Kein Wunder, schließlich erwähnen beide gelegentlich, dass ihre Zusammenarbeit beiden auf höhere musikalische Niveaus verhilft. Bruner hatte bereits auf seinem Debüt „The Golden Age of Apocalypse“ mit Flying Lotus in typischer Brainfeeder-Manier mit Genre-Grenzen gespielt und sich durch zunächst seltsamem, aber funktionierendem Jazz Fusion mit futuristischem Electronica und HipHop ausgezeichnet. Es bleibt also die Qualität dieser musikalischen Symbiose mit Thundercats zweitem Album, „Apocalypse“, erneut unter Beweis zu stellen.

Sonst dafür bekannt, sich auch abseits seines Solo-Projekts über Genreeinschränkungen hinwegzusetzen, beispielsweise als Metal-Bassist bei Suicidal Tendencies, bleibt Bruner diesmal doch seiner Linie treu. „Apocalypse“ ist nicht nur im Namen eine klar erkennbare Fortsetzung zum Debüt, sondern setzt auch die Linie des Jazz-Fusion mit elektronischem Beiwerk von FlyLo klar fort. Schwerer wiegt dieses Mal allerdings Funk als Einfluss. Besonders bemerkbar macht sich das auf „Oh Sheit It's X“, einem Track mit funkigem Groove, blubbernden Synthies und phrasierten Vocals.

Doch die Vocals, die regelmäßig zwischen Höhen und Tiefen alternieren und den Songs ein gewisses R&B-Feeling verleihen, sind nicht das, was auf „Apocalypse“ im Vordergrund steht. Viel interessanter ist die Instrumentalisierung der einzelnen Tracks, die sich in gedämpften pulsierenden Beats und funkigen Synthies ergibt. Das wird nicht zuletzt auf die Produktion durch FlyLo zurückzuführen sein, die sich vor allem auf den puren Instrumental-Tracks „The Life Aquatic“ und „Seven“ bemerkbar macht. Thundercats Bassgitarre ist dann leider oftmals nicht mehr so leicht herauszuhören. Wenn sie allerdings wie auf „Heartbreaks + Setbacks“ doch durchscheint, ist sie eine wahre Bereicherung. Jedoch lassen die Drumlines auf vielen Tracks sehr zu wünschen übrig und bieten über das Album hinweg wenig Abwechslung. Vielfach wünscht man sich Live-Instrumentalisierung, wie sie eben auf „Lotus And The Jondy“ mit Thomas Pridgen (The Mars Volta, Foxy Shazam) großartig realisiert wurde. Besonders Spaß macht auch der erste Teil von „A Message For Austin...“, das mit Violinen und Trompeten ein wenig aus dem Rahmen fällt, aber in seinen drei Phasen, episch, ruhig tickend und Stille, seiner Rolle als Closer mehr als gerecht wird.

40 Minuten gehen schnell vorbei, wenn man sich „Apocalypse“ anhört. Doch störend oder gar enttäuschend ist anders. Selbst die vielen Tracks, die sich im unteren Zwei-Minuten-Bereich bewegen, wirken abgeschlossen. Wie schon auf Bruners Erstling, der ebenfalls aus vielen kurzen Tracks besteht, scheinen die Songs hier genau die Menge an Zeit zu beanspruchen, die sie brauchen - nicht mehr, nicht weniger.

Die Zusammenarbeit mit Flying Lotus geht erneut auf, wirkt aber im Vergleich zu Thundercats Debüt manchmal ein wenig uninspiriert. Wer jedoch Spaß an einer originellen Kombination aus elektronischer Produktion und Jazz hat, wird auch hieran Freude haben. Schließlich ist „Apocalypse“ durchaus ein überdurchschnittlich gutes Album, das allerdings an einigen Ecken noch ein wenig mehr Feinschliff benötigt hätte.

Anspieltipps:

  • Without You
  • Lotus And The Jondy
  • A Message For Austin / Praise The Lord / Enter The Void

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