Tom Russell - Aztec Jazz - Cover
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Tom Russell Aztec Jazz


  • Label: Proper RecordsRough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Tom Russell goes Orchestra! Folk und orchestrale Opulenz in feiner Balance.

Tom Russell begann seine Singer/Songwriter Karriere bereits in den 70er-Jahren mit zwei Alben, die jedoch nur mäßig erfolgreich waren. So zog er es vor, sich mit Jobs wie z.B. als Taxifahrer zu verdingen. In einem New Yorker Taxi lernte er Andrew Hardin kennen, der später sein musikalischer Begleiter wurde. Ein anderer seiner Fahrgäste war Robert Hunter von Grateful Dead, der ihn zu einem Neustart als Singer/Songwriter überredete.

Schließlich entstanden in den Achtzigern und Neunzigern mehrere Alben, die in den entsprechenden Kreisen Lob und Anerkennung erfuhren. Bei renommierten Labels wie Philo und Hightone veröffentlichte er einige Glanzlichter wie z.B. „Hurricane Season“ oder „Borderland“, letzteres vom Americana-Fachmann und Gitarristen Gurf Morlix produziert. Zuletzt nahm er mit Calexico “Blood And Candle Smoke“ (2009) und „Mesabi“ (2011) auf, die mit zu seinen stärksten Werken zählen. Tom Russell erweist sich als Singer/Songwriter, der immer neugierig auf Neues und sehr häufig auf Tour ist. Nicht umsonst erscheint nun das Live Album „Aztec Jazz“, bei dem ihm The Norwegian Wind Ensemble, ein 32-köpfiges Orchester, begleitete.

Dass dies gar nicht so weit weg von den Alben mit Calexico ist und doch ein anderes Klangbild ergibt, hat mehrere Gründe. Verbindend sind naturgemäß die geschmetterten Mariachi-Trompeten, wogegen die Opulenz des Norwegian Wind Ensemble gegenüber der vergleichsweise kleinen Calexico-Besetzung dem Gesamtbild ein prägenderes Ausmaß beibringt. Wobei das Orchester auch zurückhaltend agieren kann und dem Akustikgitarrenspiel und Tom Russells Stimme genügend Raum zur Entfaltung lässt. Die Grundstrukturen der Songs werden weitestgehend beibehalten, umso mehr wird Wert auf die Arrangements gelegt. Wie diese sich ganz allmählich entwickeln, für ein An- und Abschwellen sorgen, das ist zum Teil erhebend oder sehr stimmungsvoll und atmosphärisch.

Zwar eignet sich die eine Interpretation mehr als die andere, so ganz aus dem Rahmen fällt glücklicherweise keine. Und wo bleibt der Jazz, der aztekische? Wir wissen, dass Tom Russell ein musikalischer Grenzgänger ist, der häufig auf mexikanische Einflüsse zurückgreift. Den Jazz dagegen hat er bisher kaum in sein Country- und Folkkonzept gefügt. Hier dagegen tritt er ganz sachte in Erscheinung und lässt in einigen Passagen an Miles Davis‘ „Sketches Of Spain“ denken. Bei allem Beiwerk bleibt Russells Stimme das Zentrum, sie ist zwar von den Jahren etwas angeraut, bringt jedoch immer noch diese ebenso mahnenden wie feierlichen Tremolos und Phrasierungen hervor. Sein Spiel auf der Akustischen ist nach wie vor von einnehmender Natur und setzt auch im orchestralen Klangbild Akzente. Ein gutes Album, das förmlich nach einer Fortsetzung im Studio schreit.

Anspieltipps:

  • Love Abides
  • Goodnight Juarez
  • Finding You
  • St. Olav’s Gate

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