Robert Pollard - Honey Locust Honky Tonk - Cover
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Robert Pollard Honey Locust Honky Tonk


  • Label: Fire Records/CARGO
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der „Guided By Voices“-Mann setzt sein unbehauenes Lo-Fi-Konzept fort: Short Cuts für den Augenblick und die Ewigkeit!

Wenn einer mit den Begriffen Indie und Lo-Fi in Verbindung gebracht werden darf, dann ist dies Robert Pollard, der in den frühen 80ern mit Guided By Voices durchstartete. Sie waren immer Kritikerlieblinge, denen jedoch nur wenig kommerzieller Erfolg beschieden war. Pollard hat angeblich an die 4.000 Songs geschrieben und jedes Jahr kommen ca. hundert neue hinzu. In dieser Hinsicht hat der Amerikaner eigentlich nur einen Konkurrenten im Briten Billy Childish, dessen Output in ähnlichen Dimensionen spielt. Zudem sind beide Kultfiguren und drücken sich als Künstler mit einem rohen Charme aus. Ihre Songs hauen sie förmlich raus und lassen ihnen ihren ungeschliffenen Charakter. Pollards Meinung zu seinem nahezu manischen Songwriting: „Ich habe keine Angst davor, unreif zu sein, mich zum Clown zu machen. Ich habe keine Angst, verrückt zu erscheinen.“

Ein positiv Verrückter ist der bald 56-jährige Pollard allemal und Guided By Voices sind nach der Auflösung im Jahr 2004 längst wieder in aller Munde seit sie „Let’s Go Eat The Factory“ (2010) veröffentlichten. Robert Pollard kann es glücklicherweise nicht lassen und setzt nun auch seine Solokarriere fort, die wie bei Guided By Voices einen immensen Umfang an Alben vorweisen kann. Auch wenn Pollard sein neues Werk „Honey Locust Honky Tonk“ nennt und sich auf dem Cover mit Dame und einer Cowboyhut-ähnlichen Kopfbedeckung präsentiert, so ist er dennoch weit von Americana entfernt. Er spielt nach wie vor seine Lo-Fi-Songs, deren Ursprung im Punk zu finden und dennoch kein Punk sind, sondern Indie-Lo-Fi-Rock, der immer so klingt, als wäre er gerade von ihm erfunden worden.

Das ist wahrscheinlich sein größter Verdienst: Unbehauene Songs so klingen zu lassen wie perfekten, auf die schiefe Bahn geratenen und holpernden Rock’n’Roll. Wie geschaffen für den Augenblick und die Ewigkeit! Dabei schimmern hinter dem Geröll wiederholt Popmelodien hervor, die Pollard scheinbar aus dem Ärmel schüttelt. Dieses Mal siebzehn Titel in 34 Minuten, alle, bis auf das finale dreieinhalbminütige „Airs“, um die Zweiminutenmarke. Der Hörer spürt die Atemlosigkeit des Albums, wobei er sich nicht gehetzt fühlt, sondern bestens unterhalten vom rohen Charme des Amis.

Die Texte pendeln zwischen skurril, kurios und alltäglichen Dingen, finden in den rohen Klängen ihre Entsprechung, galoppieren und stolpern in der Pollard´schen Harmonielehre davon. Pollards Songs bringen dich in Schwung, dein Blut in Wallung und lassen deine Adrenalinausschüttung in die Höhe schnellen. Ein großer Spaß, der mit großer Ernsthaftigkeit betrieben wird. Pollard berührt und verführt!

Anspieltipps:

  • Who Buries The Undertaker
  • I Have To Drink
  • Igloo Hearts
  • It Disappears In The Least Likley Hands (We May Never Not Know)

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