We Butter The Bread With Butter - Goldkinder - Cover
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We Butter The Bread With Butter Goldkinder


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Durchgeknallter Stilmix mit einigen Spitzen, aber auch gehörig Verbesserungspotential.

Auf dem Metalradar sind die Brandenburger We Butter The Bread With Butter (kurz WBTBWB) nicht nur wegen ihres herrlich dämlichen Bandnamens erschienen, sondern vor allem aufgrund ihrer Deathcore-Adaptionen von berühmten Kinderliedern wie „Alle meine Entchen“, „Schlaf, Kindlein, Schlaf“, „Hänschen Klein“ oder „Backe, Backe Kuchen“. Schnell hatte sich eine treue Fangemeinde gebildet, die das Debüt „Das Monster aus dem Schrank“ (11/2008), welches auch einige Eigenkompositionen mit sich brachte, heftig abfeierte und die weiteren Schritte des damals noch als Duo fungierenden Acts mit Argusaugen beobachtete. Fünf Jahre später ist von der Märchenwelt kaum mehr etwas übrig, WBTBWB wollen als Songschreiber ernst genommen werden.

„Mit dem starken Namen „Goldkinder“, der zum einen das abenteuerliche Heranwachsen widerspiegelt, zum anderen aber auch den Glanz dieser Gruppe verkörpert, stellt es nicht nur den nächsten Schritt dieser außergewöhnlichen und individuellen Band dar“, frohlockt der Pressetext über die Abnabelung von Paul Bartzsch (Gesang), Marcel Neumann (Gitarre), Maximilan Pauly (Bass) und Can Özgünsür (Schlagzeug, Piano) vom kindlichen Übermut in der Anfangsphase zu einer Formation, die genau weiß, was sie will. Im Klartext bedeutet das „Rockmusik, so hart wie Metal und so melodisch wie Pop”, wenn man denn den Aussagen der vier Brandenburger Glauben schenken darf, immerhin drehten sich ihre Texte eine lange Zeit nur um Fabelwesen und Märchenfiguren.

Doch Neumann & Co. dürften die surreale Welt nach dem mit Comiccover ausgestatteten Vorgänger „Der Tag, an dem die Welt unterging“ (05/2010) mit „Goldkinder“ ein für alle mal verlassen haben, denn wer über Schönheitswahn („Makellos“), Liebeskummer („Ohne Herz V2“) und brutale Verbrechen („Viva Mariposa“) singt, der konfrontiert seine Hörer aus einem ganz bestimmten Grund mit diesen Themen, anstatt sich hinter Füchsen, Rehen und Wiegenliedern zu verstecken. So gerne WBTBWB in ihren Texten nun aber wachrütteln oder anklagen wollen, so unschlüssig ist das Gesamtkonzept hinter „Goldkinder“. Da rotzt der Vierer mit dem donnernden Opener „Alles was ich will“ brachiale Allmachtsphantasien aus den Boxen, das man nicht mehr weiß, ob der Nachbar bereits die Polizei gerufen hat oder man die Klingel einfach nicht mehr hört, weil man den Song in Dauerschleife mit Lautstärke 11 hört und dann purzeln im Anschluss halbgare Rammstein- („Fall“), Korn- („Psycho“) und Heaven Shall Burn-Facetten („Das Uhrwerk“) durch die Lautsprecher, welche weder zünden, noch sonderlich originell gestrickt sind.

Dass die Butterbrote ordentliche Breitseiten abliefern können, zeigen sie zwar in der Metal trifft NDW-Hommage „Mayday mayday“ und den EBM-gesteuerten Tracks „Pyroman & Astronaut“ und „Super heiß ins Trommelfell“, allerdings dürfen die Lyrics hier bestenfalls als zweckmäßig angesehen werden, immerhin soll letztgenannter Titel für die Abkürzung „S.H.I.T.“ stehen. Einen definitiven Höhepunkt stellt hingegen das hymnische „Krieg aus Gold“ dar, welches mit seinem genial-treibenden Rhythmus und stoischem Trio-Dadaismus sofort als am Gehörgang knabbernder Ohrwurm ins Langzeitgedächtnis wandert. In diesem Sinne plätschert „Goldkinder“ auf der einen Seite auf durchschnittlicher Basis gemütlich vor sich hin und auf der anderen servieren die Brandenburger dem elektronischen Spielereien nicht abgeneigten Metalfan einige ziemlich feine Leckerbissen, die vor allem wegen ihrer Unkonventionalität Spaß machen und eine Chance verdienen.

Anspieltipps:

  • Ohne Herz V2
  • Krieg aus Gold
  • Alles was ich will
  • Pyroman & Astronaut

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