Tobias Regner - Besser Jetzt - Cover
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Tobias Regner Besser Jetzt


  • Label: Tag 7/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Tobias Regner weiß um seine Vorzüge, aber noch immer nicht, wie er sie am besten einsetzt.

Tobias Regner hat sein DSDS-Stigma weitestgehend ablegen können. Zwar hat auch er sich nicht zur großen Pop-Hoffnung Deutschlands entwickelt, doch in einer angepassten Radiolandschaft ist sein eiskaltes Ausharren im Pop und Soft Rock-Sektor fast schon erfrischend. Manche Angewohnheiten lassen sich allerdings nur schwer ablegen und so schreibt Regner weiterhin Programmmusik, die gar nicht anders kann, als typische Musik für die Masse zu sein. Auf „Besser Jetzt“ vereint der gebürtige Oberbayer zwar viele gute Vorbilder, doch was seiner Musik am Ende fehlt, ist die eigene Note.

Allein dass zwei wirklich unterschiedlich gespielte Gitarren die ersten beiden Tracks des Albums tragen, hätte man Regner zu Beginn seiner Casting-Karriere noch abgesprochen. Jetzt liefern einige Lieder wirklich schöne Rhythmen und kräftige Refrains, die den Hörer binden sollen: Pop-Rock der Marke The Killers. „Besser Jetzt Als Irgendwann“ hat genau wie die folgenden „Was Mich Atmen Lässt“ und „Doppelter Boden“ das Potenzial, im Ohr zu bleiben. Zu diesen Melodien möchte man die Augen schließen und träumen. So darf Pop-Rock klingen. Und ein „Foto“ könnte so ähnlich auch von den Kings Of Leon stammen. Halleluja!

Dass das Album trotzdem kein Überflieger, sondern nur Mittelmaß ist, liegt in erster Linie an der instrumentalen Umsetzung. Die besagten Ansätze halten für ein richtig gutes Pop-Album her und besonders auch Regners Stimme, die tief und voll die meisten Strophen regiert und in höherer Gesangslage immer noch angenehm emotional, aber auch kantig genug klingt. Das Problem ist die Qualität der Band, die die Arrangements einspielt. Abgesehen davon, dass bei zwölf Liedern, die sich strikt an Radioformeln halten, auch Langeweile einkehren kann, klingen die Songs immer sehr gesichtslos. Keines der Instrumente hat eine echte Identität. Weder die Art, wie die Gitarre gespielt wird, noch wie das Schlagzeug klingt, hat irgendeinen Wiedererkennungswert. Dabei leben Bands wie die Kings Of Leon gerade von dem ihnen zugeordneten Sound.

„Kein Sommer für Helden“ klingt auf Seiten der Instrumente so austauschbar, dass der Programmtrailer für den Heldenmonat August bei RTL (oder wie auch immer man die Kampagne nennen würde) Voraussetzung für das Lied scheint. Das Gefühl, dass die Musik oft braves Hintergrundgeräusch für den höheren Zweck sein möchte, ergibt sich eben dadurch, dass alles so glatt klingt, dass man neben Regners Stimme nichts findet, was auf diesem Album heraussticht. Wenn der ehemalige Casting-Jünger es jetzt noch schafft, der Musik, die für den Pop-prädestinierten Gesang aus seiner Kehle gedacht ist, zu formen und ihr einen eigenen Anstrich zu verpassen, dann überwiegt in naher Zukunft vielleicht auch die Freude auf ein neues Album von ihm und die anhaltende Fremdscham über die schlimmen DSDS-Tage wird endgültig vergessen sein.

Anspieltipps:

  • Besser Jetzt Als Irgendwann
  • Doppelter Boden
  • Foto

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