Avenged Sevenfold - Hail To The King - Cover
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Avenged Sevenfold Hail To The King


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 53 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hätte das gedacht? Mit einem schier unglaublichen Qualitäts-Boost geht’s schnurstracks in den Metal-Olymp.

In den letzten Jahren gab es einige ziemlich gehypte Bands im Metal. Da wären zum Beispiel Sabaton, der musikalische Geschichts-Nachhilfeunterricht für die neue Generation von True Metalern. Oder Volbeat, die zwar mittlerweile den Äther der Lokalradiostationen weichspülen, sich aber immerhin den Erfolg hart erkämpft haben. Und schließlich folgen Avenged Sevenfold, kurz A7X - ultra erfolgreich und mit stetig wachsender Fangemeinde gesegnet. Wer die Band zu Zeiten ihres Debüts „Sounding The Seventh Trumpet“ (2001) kennen und lieben lernte, sollte schon bald miterleben, wie sie sich vom einstigen Metalcore-Einschlag immer weiter entfernten und sich nicht nur ein Mal neu erfanden - lange Gesichter inklusive! Dies gipfelte in „Nightmare“ (2010), welches ungewohnt langsam und melancholisch daherkam und dank Drumgott und Alkoholismus-Verarbeiter Mike Portnoy (Dream Theater) sogar das eine oder andere progressive Element bot. Mit „Hail To The King“ melden sich die Badasses aus Huntington Beach deutlich gestärkt zurück. Arin Ilejay ersetzt am Drumkit nicht nur seinen prominenten Vorgänger, sondern auch den im Jahr 2009 verstorbenen Jimmy Owen Sullivan und macht seine Sache ziemlich gut, was alle zitternden Fans schon mal erleichtern sollte. Allen anderen, welche A7X bisher mit Argwohn betrachtet haben, sei gesagt, dass der Hype um die Kalifornier tatsächlich gerechtfertigt ist. Spätestens jetzt!

„Hail To The King“ ist das Ende einer Reise und die vielleicht logische Konsequenz. Auf ihrem sechsten Studioalbum präsentiert sich die Band ziemlich heavy, außerordentlich stilsicher, aber in einer gewissen Weise auch massenkompatibel genug, dass Songs wie die (sehr gute und mit einem Killer-Solo ausgestattete) Ballade „Crimson Day“ oder das bombastische „Acid Rain“ den gemeinen Radiohörer nicht verschrecken. So mancher Metaler rümpft an dieser Stelle die Nase. Ein großer Fehler, denn Avenged Sevenfold hätten sich tatsächlich verhökern können, ziehen aber ein ganz heißes Eisen aus dem Schmiedefeuer. Tatsächlich ist die Gratwanderung der Kalifornier eine nicht gerade leichte - die Kunst, dem Genre treu zu bleiben, aber Songs zu schreiben, welche das Potential besitzen, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, beherrscht auch nicht jede Kombo. Außerdem treten Avenged Sevenfold im Gegensatz zu einer Gruppe wie Volbeat immerhin noch Ärsche. Und das ohne Härte aus Notwendigkeit; ihre einstigen Metalcore-Wurzeln haben die fünf Musiker komplett herausgerissen. Dafür pflügen sie gleich mehrere Felder um. Ein Mix aus einer zaghaften Annäherung an die NWoBHM, Alternative Rock und modernem Heavy Metal und Hardrock - das liest sich unspektakulär, als ob man oder eine Band sich mit aller Macht einordnen will, vielleicht sogar ein wenig bieder. Trivium machen's schließlich auch nicht anders. Allerdings nähern sich A7X der Idee sehr viel kompromissloser und knackiger.

Und tatsächlich geht ihre Rechnung auf. „Hail To The King“ ist nicht nur das ohne falsche Bescheidenheit bisher beste Album der Band, sondern auch ein echtes Monstrum. Songs wie „Shepherd Of Fire“, der Titeltrack, „Heretic“ oder „Planets“ sprechen Bände. Man merkt, dass Avenged Sevenfold mit enormer Spielfreude an die Sache rangehen und es überrascht, dass hier eine Entwicklung stattgefunden hat, die klar für die Band spricht und diese auf ein Level mit den ganz Großen befördert. Durchweg fett und äußerst druckvoll produziert, machen die zehn Kompositionen sehr viel Spaß, sind voll mit Details und profitieren von einer Musikalität, die so noch nicht auf einem Album der Band zu hören war. Virtuose, aber nicht allzu verschnörkelte Gitarrensoli treffen auf den eleganten Drive der späten Maiden (tonnenschwer: „Coming Home“) und die Dynamik und Frische der „Black Album“-Metallica. Wer bei „This Means War“ nicht den „Sad But True“-Riff und die Maiden-Gitarrenduelle raushört, ist entweder taub oder hat ein gehöriges Stück Metal-Geschichte verschlafen. Lediglich das ein wenig straighte „Doing Time“ sowie das im direkten Vergleich stehende, überladene „Requiem“ bleiben ein wenig auf der Strecke.

Zweit genanntes spielt mit einem auf lateinisch trällernden Chor und experimentiert mit dick aufgetragenem Dark Metal à la Kamelot ab 2004. Das ist an und für sich nicht wirklich schwach, allerdings ein wenig erzwungen und wie ein einkalkulierter Platzhirsch. Insgesamt schießen Avenged Sevenfold mit „Hail To The King“ aber den Vogel ab und überschatten mit 100% Metal ihre Diskographie mit Leichtigkeit. Das Album hat so manchen Killer an Bord, macht Spaß und begeistert mit Abwechslungsreichtum. Die Metalcore-Kiddies in den Fanreihen der US-Amerikaner werden bei all den traditionellen Tönen spätestens jetzt das blanke Schaudern kriegen, während Metalheads die Gelegenheit bekommen, eine „neue“ Band kennen zu lernen, die wie kaum eine andere auf allen Ebenen einen riesigen Sprung nach vorne geschafft hat. „Hail To The King“ rechtfertigt den Hype, geht völlig neue Wege und ist eine der ganz großen Überraschungen des Jahres 2013.

Anspieltipps:

  • Shepherd Of Fire
  • Hail To The King
  • This Means War
  • Crimson Day
  • Coming Home
  • Acid Rain

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