Brainkiller - Colourless Green Superheroes - Cover
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Brainkiller Colourless Green Superheroes


  • Label: Rarenoise/CARGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Lucha Libre und Jazz für den Dancefloor? Was will man denn bitte noch?

Was ist eigentlich Avantgarde? Musik, die noch nie da war? Gibt es so etwas überhaupt? Wie kann Musik ihrer Zeit voraus sein? Kann sie nicht höchstens unkonventionell sein? Unkonventionell ist für den Ansatz Brainkillers ein gutes Stichwort. Ohne tatsächlich auf Electronica zurückzugreifen, versuchen sie, aus dem Jazz zuzuordnenden Instrumenten tanzbare Musik zu machen, ohne dabei dem Jazz selbst auf die Füße treten zu wollen. Kann man auch ohne heftige Beats tanzen und ist Jazz letztlich noch Jazz, wenn er dazu zurechtgeschnitten wird, die Massen zum Tanzen zu bringen? Wenn „Colourless Green Superheroes“ eines richtig macht, dann ist es, Fragen aufzuwerfen.

Aber nicht nur in der Praxis gelingt dem Trio etwas Außergewöhnliches. Ihre Arrangements liefern Geistern mit großer Vorstellungskraft ein echtes Panorama an Eindrücken. Ihr organischer Ansatz, der sich immer wieder Ideen aus dem Electronica leiht, wirkt mal wie aufgeregte Glühwürmchen („Scribble“) oder ein verträumtes Inselporträt („Empty Words“) und sorgt auch sonst für Klangerlebnisse, die man mit Soundtracks (insbesondere von Videospielen) verbindet. Es scheint darum zu gehen, eine fortlaufende Szene mit Musik zu untermalen, ohne dass die Töne sich in den Vordergrund zu drängen.

Aus den Tanzbodenträumen wird schnell die Erkenntnis gewonnen, dass sich Brainkiller besser für die Lounge eignen und selbst dort durch dem Electronica sehr ferne Strukturen auffallen. Das beruhigend vor sich hin plätschernde „Top Of The World“ ist da nur eines von vielen Beispielen. Die kleineren Rhythmusspielereien fallen bei diesem Lounge-Jazz kaum ins Gewicht und spätestens in „A Piedi Verso Il Sole“ verabschieden sich für den Jazz untypische Strukturen endgültig. Wenn dann doch darauf gesetzt wird, dass diese Musik Hörer mitreißen können soll, erinnert sie im besten Fall wieder an aufgebrachte Natur wie in „Scribble“.

Letztlich halten sich Brainkiller selbst im Zaum. Als bloße Ambient-Jazz-Band wären sie wohl ein echter Gewinn für ihre Nische, aber durch den oft vertrackten und nicht zündenden Einsatz stilfremder Strukturen, will „Colourless Green Superheroes“ einfach zu selten mitreißen. Alles wirkt wie ein vorsichtiger Vorschlag und falls der Aufbruch zu neuen Ton-Ufern dem Hörer nicht gefällt, gibt es wieder gefälligen Ambient. Dieses zerfahrene Verhältnis und die fehlenden schlagfertigen Argumente auf Seiten der tanzbaren Experimente, lassen Brainkiller vorerst weiter im interessanten, aber eben auch eher unteren Mittelfeld schmoren.

Anspieltipps:

  • Scribble
  • Empty Words
  • Otaku Goes To A Rave

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