Guaia Guaia - Eine Revolution Ist Viel Zu Wenig - Cover
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Guaia Guaia Eine Revolution Ist Viel Zu Wenig


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist nicht mehr lange hin, dann sind Guaia Guaia Deutschlands berühmteste Straßenmusiker. Die Story passt, das Album nicht wirklich.

Das hat man auch nicht alle Tage: Zwei Straßenmusiker ohne festen Wohnsitz unterschreiben einen Plattenvertrag bei Universal Music. Und es kommt noch dicker: Parallel läuft gerade eine Dokumentation über die beiden überzeugten Freiheitsliebhaber in den Kinos an, Berichterstattung auf allen Kanälen inklusive. Die Rede ist natürlich von Guaia Guaia alias Luis Zielke und Elias Gottstein, beide augenscheinlich sehr sympathisch und vermutlich bald die bekanntesten Obdachlosen Deutschlands. Das klingt alles zugegebenermaßen reichlich paradox und könnte ziemlich schnell nach hinten losgehen. Beispielsweise dann, wenn die Neubrandenburger beginnen, mit ihrem Tech-Rap-Gemisch in Clubs aufzutreten und dafür Eintritt zu verlangen (was schon in Planung ist, wie ein Blick auf den Tourplan verrät).

Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht. Thematisch dreht sich ihr Debüt „Eine Revolution ist viel zu wenig“ aber erst mal konsequent um das Leben auf der Straße, was natürlich textlich größtenteils hoffnungslos romantisiert wird („Wir sind die Reichen / Wir könn’s uns leisten / Denn Zeit ist Geld / Wir ham die meiste“). Ja, die beiden Jungs haben sich für einen alternativen Lebensstil entschieden und sind stolz darauf. Sie singen über Pfandsammler, Rastlosigkeit, ihre Überwinterung am Ostkreuz in Berlin und immer wieder über Freiheit, Freiheit und nochmal Freiheit. Zwischendurch wird’s dann auch mal systemkritisch, das Thema Terrorismus kommt auf, hier ein Spruch gegen die Polizei, da die übliche Kritik am konventionellen Leben (übrigens mit Blick auf ein Major-Label umso verwunderlicher). Die durchaus gekonnten Lyrics werden meistens als Sprechgesang abwechselnd vorgetragen und mit allem unterlegt, was die elektronische Effektekiste zu bieten hat. Dazu werden einige andere Instrumente (z.B. Streicher) gereicht.

Was aus dieser wilden Mischung übrig bleibt, bewegt sich immer irgendwo zwischen einem funktionierenden Beat und ziemlich merkwürdig zusammengemixten Sounds, die etwas ziellos im Raum umherschwirren. Dazu kommt, dass es einige Zeit benötigt, um sich mit den Stimmen von Elias Gottstein und Luis Zielke anzufreunden. Ersterer näselt etwas, Letzterer singt so tief, dass man sich fast schon etwas erschreckt, wenn sein Gesangs- bzw. Sprechpart beginnt. Zusammen zweifellos eine kontrastreiche, aber interessante Mischung - wenn’s gefällt. Der Spaß bleibt bei den halben Predigten, die Luis Zielke ins Mikro grummelt, allerdings etwas auf der Strecke. Erinnerungen an ASD kommen auf, nur dass Afrob dagegen schon wieder nett klingt.

Was bleibt, ist ein maximal durchschnittliches Debütalbum, das zwar im Zusammenhang mit der Bandgeschichte sicherlich einzigartig ist, allerdings auch nicht überbewertet werden sollte. Es gibt zwar das eine oder andere Highlight zu bestaunen („Absolute Gewinner“, „Neues Land“, „Von Stadt zu Stadt“), aber auch einige schräge Nummern, die in ein großes Fragezeichen münden („Superpenner“, „Die Reichen“, „Mach sauber“). Und dann sind da noch diese ganzen Songs, die sich mit der Terrorismus / Revolutions-Thematik befassen und auch nicht vor Aussagen wie „Eine Revolution ist viel zu wenig! Terror - Total“ oder „Heute ist man mit gutem Gewissen Terrorist“ zurückschrecken. Wie gesagt: Wer’s mag. Zumindest ist Universal, was die Marke Guaia Guaia betrifft, in Verbindung mit dem Film ein doller Coup gelungen, der allerdings für die Musiker und ihre Authentizität diverse Gefahren mit sich bringt. „Eine Revolution ist viel zu wenig“ bleibt trotz des kleinen Hypes um Luis Zielke und Elias Gottstein aber nur Mittelmaß. Da funktionieren die unangemeldeten Gigs auf der Straße doch um Längen besser.

Anspieltipps:

  • Absolute Gewinner
  • Neues Land
  • Von Stadt zu Stadt

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