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James LaBrie Impermanent Resonance


  • Label: InsideOut/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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James LaBrie - Impermanent Resonance
10 1 8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die große Emanzipation von Dream Theater!

Zu James LaBrie muss eigentlich gar nicht mehr viel gesagt werden. Der Mann ist eine feste Instanz im Genre des Prog Metals – egal ob nun als Frontmann der Legenden Dream Theater, als Gastmusiker (z.B. Roswell Six, Ayreon) oder alleine. Dabei grenzt es an Ironie, dass gerade der immer im Schatten seiner vielbeschäftigten Kollegen stehende Sänger derjenige werden würde, welcher mit seinem Soloprojekt den größten Erfolg abseits der Hauptband einfährt. Für seine Soloprojekte wählte LaBrie stets großartige musikalische Unterstützung – Mike Mangini wurde bekannterweise sogar für Dream Theater rekrutiert – und trumpft mit einer solchen auch auf seinem insgesamt fünften Album wieder auf. Die Neuzugänge Peter Wildoer (Schlagzeug und Screams, Darkane) und Ray Riendeau (Bass, ex-Halford) bilden zusammen mit Marco Sfogli (Gitarre, Creation's End) und Matt Guillory (Keyboard, ex-Dali's Dilemma) ein namhaftes Kader.

„Impermanent Resonance“ ist eine Gratwanderung zwischen Dream Theater, dem zaghaft elektronisch angehauchten Progressive Rock von LaBries MullMuzzler-Anfängen und einem eingängigen sowie unterhaltsamen Prog Metal, der sich von dem der Hauptband des Sängers stark unterscheidet. Damit betreten der Kanadier und sein Team kein Neuland mehr – bereits auf „Elements Of Persuasion“ (2005) überraschte LaBrie mit Härte und Direktheit, „Static Impulse“ (2010) führte dieses Konzept schließlich fort. Viele Hörer staunten nicht schlecht, als man plötzlich mit Elementen des Göteborger Death Metals spielte. War das noch Dream Theater? Im Sinne des künstlerischen Anspruchs des für sich alleine stehenden Solokünstlers: nein, zum Glück nicht! „Impermanent Resonance“ untermauert LaBries persönlichen Stil nun voll und ganz und navigiert das Schiff seiner Solo-Arbeiten endlich in den sicheren Hafen. Die Göteborger Schule hat man mit einem Abschluss verlassen und ist nun reif genug ihre Härte nicht mehr als Notwendigkeit einzusetzen.

Dadurch und dank dem Gespür für Songs, die sich in den Gehörgängen einnisten, doch bei aller Eingängigkeit dennoch nicht die von den Fans vorausgesetzte Komplexität verleugnen, wird LaBries fünftes Soloalbum zu einem kurzweiligen und ziemlich tighten Erlebnis.

Stellvertretend dafür stehen der schmissige Opener „Agony“ sowie „Undertow“, „Slight Of Hand“ und „I Got You“. Die Threshold der Mac-Ära treffen hier gut und gerne auf die aktuellen Soilwork, die sich mit „The Living Infinite“ (2013) vielschichtiger denn je präsentiert haben. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, dass James LaBrie an genau diesem Album ansetzt und den Stil absorbiert. Knackiges Riffing trifft auf befreiend-catchige und stellenweise sogar leicht bombastisch wirkende Refrains. Die pointiert eingesetzten Screams von Schlagwerker Wildoer bilden schließlich einen Kontrast zu LaBries glockenhellem Organ. Wenn letzterer dann im knüppelharten Schlusslicht „I Will Not Break“ selbst eine härtere Gangart einlegt, ist das mittlerweile glaubwürdiger und reifer als noch zu „Train Of Thought“-Zeiten. Dennoch bleibt der gute James am besten, wenn er sich mäßigt. Als Ballade fällt „Say You're Still Mine” zwar im direkten Vergleich zum restlichen Material durch, doch sind es kraftvolle Halb-Balladen wie „Lost In The Fire“ und „Destined To Burn“, welche ganz klar auf die Qualitäten des Sängers zugeschnitten sind.

Auch im Mid-Tempo fühlt er sich wohl: „Amnesia“ und das sphärische „Holding On“ treten trotz gelegentlicher Wutausbrüche nur all zu deutlich in die MullMuzzler-Kerbe. James LaBrie kompiliert hier das Beste seines bisherigen Schaffens. Somit finden er und seine Jungs zu ihrem ganz eigenen Sound, der sich von dem Dream Theaters mittlerweile voll und ganz emanzipiert hat und es ebenso nicht mehr nötig hat andere Genres per Holzhammer einzubauen – die goldene Mitte sozusagen. Der Flirt mit Göteborger Death bleibt ein solcher. Ebenso beweist man, dass keiner mehr einen Dream-Theater-Klon braucht – schon gar nicht aus den eigenen Reihen. Und wieso James LaBrie mittlerweile so klingt wie wer klingt: wieso nicht? „Impermanent Resonance“ ist somit nicht mehr als eine bloße Alternative zu James LaBries Hauptband, sondern sein bisher eigenständigstes und rundestes Werk.

Anspieltipps:

  • Agony
  • Undertow
  • I Got You
  • Holding On
  • Destined To Burn
  • I Will Not Break

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