The Rides - Can´t Get Enough - Cover
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The Rides Can´t Get Enough


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Blues-Supergroup geht viel zu oft den leichten Weg und verpasst es, den Fans richtige Hits zu bieten.

Supergroups, All-Star-Projekte, Wunschgruppen: Fans erwarten nichts Geringeres als die Erfüllung ihrer Träume, Musiker aber auch. Deshalb finden sich unter dem Banner von The Rides gleich drei Großmeister des Blues zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Die Erwartungen sind dementsprechend groß, wirklich rund kann das Ergebnis jedoch auch nicht immer werden. Stephen Stills (Gesang), Barry Goldberg (Keyboard) und Kenny Wayne Shepherd (Gitarre) - Liebhaber des Blues horchen bei diesen drei Namen auf und dürfen einiges erwarten. Tatsächlich ist die Band sogar fünfköpfig: Kevin McCormick (Schlagzeug) und Tommy Shannon (Bass) kriegen allerdings so gut wie keine Credits. Das ist der erste Fehler, den The Rides machen. Vielleicht verkauft sich das Triumvirat Stills/Goldberg/Shepherd einfach auch besser; so viel besser, dass jeder zusätzliche Name, jedes zusätzliche Gesicht auf dem Coverartwork nur störend gewesen wäre. Das ist schade und in gewisser Hinsicht sogar ärgerlich, da McCormick und Shannon eine Rhythmusfraktion abgeben, die sich keinesfalls hinter den drei Protagonisten verstecken muss.

Auf „Can't Get Enough“ schütteln die fünf Musiker einen soliden Blues aus dem Ärmel, der allerdings auch nur solide ist und durch gleich vier Coverversionen immer dann gebremst wird, wenn er mal in Fahrt gekommen ist. Andere Musiker oder Bands machen direkt eine EP - gerade mal sechs Eigenkompositionen sind nicht gerade üppig und bleiben größtenteils auch ein wenig hinter denen von sowohl Stills als auch Goldberg und Shepherd zurück. Der zünftige, bombastische Schrammelrocker „Word Game“, die coole Ballade „Don't Want Lies“ sowie das melancholische, gewichtige „Can't Get Enough Of Loving You“ sprechen allerdings klar für die Qualitäten von The Rides bzw. für das, was sich der Fan wirklich erhofft. Dagegen bleiben „Mississippi Roadhouse“, „That's A Pretty Good Love“ und „Only Teardrops Fall“ relativ routiniert und blass, während die bereits erwähnten Cover „Rockin' In The Free World“ (Neil Young), „Honey Bee“ (Muddy Waters), „Talk To Me Baby“ (Elmore James) und „Search And Destroy“ (The Stooges) bis auf letztgenanntes eher nachgespielt als wirklich interpretiert werden. Wenn die Stooges einen Southern-Rock-Anstrich bekommen, ist das noch spannend und sinnvoll. Aber wer braucht wirklich noch eine weitere Version von „Rockin' In The Free World“, welches man etliche Male in der Kombi Young/Stills hat erleben können? Schade, dass The Rides eher Spaß daran haben, Cover zu spielen, als ihren Hörern ein vollwertiges Album mit eigenen Songs vorzulegen.

Dadurch wird die Arbeit der Supergroup nicht per se schlecht. Natürlich sind alle Musiker topfit, natürlich haben sie den Blues, sie zeigen sogar eine unbändige Spielfreude und beweisen deutlich, dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt. Dafür dümpeln sie aber auch viel zu oft in Inspirationslosigkeit herum, gehen viel zu oft auf Nummer sicher und verpassen es zu häufig, dem Hörer richtige Kracher um die Ohren zu hauen. Das muss als All-Star-Projekt einfach anders gemacht werden. So wird „Can't Get Enough“ bis auf wenige Ausnahmen einfach ein wenig zu beliebig und eben nur durchschnittlich. Fans der drei Musiker (und vielleicht auch der zwei im Hintergrund) hören aber auf jeden Fall Probe. Einen vollwertigen Ersatz für die sonstige Arbeit ihrer Protagonisten werden sie aber höchstwahrscheinlich nicht bekommen.

Anspieltipps:

  • Don't Want Lies
  • Search And Destroy
  • Can't Get Enough Of Loving You
  • Word Game

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