Blue October - Sway - Cover
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Blue October Sway


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Justin Furstenfeld hat seine Dämonen besiegt! Dieses Album ist der Beweis dafür.

Mit ihrem bis dato letzten Studioalbum „Any Man In America“ (08/2011) erreichte die amerikanische Rockband Blue October zum ersten Mal, wenn auch nur sehr knapp, die deutschen Album-Charts (Platz 100). Und das, obwohl die Band mit dem aus dem Album „Approaching Normal“ (09/2009) ausgekoppelten Song „Jump rope“ bereits einen kleinen Hit verbuchen konnte. In den USA besitzt die Band dagegen einen ungleich höheren Status, wo den vier Texanern mit dem „Any Man In America“-Longplayer erstmalig eine Top-10-Platzierung gelang.

Nach dem gewollten Vertragsende mit Universal Music haben Blue October ihr eigenes Label Up/Down-Brando Records gegründet und ihre neue, seit Anfang April 2012 in Arbeit befindliche Platte „Sway“ durch die Crowdfunding-Plattform Pledge Music finanzieren lassen. Ein Trend, der immer größere Dimensionen annimmt und kürzlich z.B. Projekte von namhaften Acts wie And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Owen Temple, Minus The Bear, Juliana Hatfield, Future Of The Left, Jesse Malin, Garland Jeffreys, Hawthorne Heights, Alien Ant Farm, Joseph Arthur, George Benson und Joe Grushecky finanziert hat.

Blue October gingen wieder mit ihrem Stamm-Co-Produzenten David Castell (Toadies, Deep Blue Something, Smile Smile, Meridian) ins Studio, wo sie ihren ursprünglichen Alternative Rock noch stärker in Richtung Popmusik vorangetrieben haben, wie schon der Titeltrack „Sway“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Damit durchlaufen Blue October in etwa eine gleiche Entwicklung, wie zum Beispiel die Goo Goo Dolls, wodurch auf „Sway“ stärker als je zuvor schmissiger Power-Pop („Angels in everything“), modern produzierter Art-Rock à la Peter Gabriel („Bleed out”) und beruhigend vor sich hin wabernde Klangteppiche („Debris“) im Vordergrund stehen.

Dazu erklärt Sänger und Hauptsongschreiber Justin Furstenfeld: „Bei diesem Album geht es darum, warum das Leben so schön ist. Es geht darum, täglich seinen Ängsten zu begegnen, aber auch die kleinen Wunder zu bemerken. Es geht darum, mit sich selbst glücklich zu sein und zu begreifen, dass man das Leben nicht nur halbherzig angehen kann.“ Diese positive Aufbruchsstimmung hört man jeder einzelnen Note des Albums an, als hätte es die düsteren Eruptionen auf „Approaching Normal“ nie gegeben.

Blue October scheren sich in keiner Weise um irgendwelche Pathos-Vorwürfe und suhlen sich so richtig in ihrer Eitel-Sonnenschein-Laune, ohne dass sie dem Hörer damit auf die Nerven gehen. Das Quartett arbeitet mit schwebenden Melodielinien („Fear“, „Things we do at night“) sowie elektronisch verstärkten Ambient-Sounds („Light you up“) und entschädigt damit für die Tatsache, dass es nur noch selten richtig rockig und laut wird wie im knurrigen „Hard candy“ oder dem treibenden „Put it in“. Dafür pendelt Justin Furstenfelds Gesangsstimme regelmäßig irgendwo zwischen Fish und Peter Gabriel, was zusätzlich für Gänsehaut sorgt.

„Sway“ ist das bis dato wohl kohärenteste Album von Blue October, auch wenn es den Stempel Alternative Rock nicht mehr verdient. Zwar blitzen hier und da noch ein paar Gitarrenriffs aus alten Zeiten durch (z.B. in „Things we do at night“, das sich stilistisch an den „Jump rope“-Hit anlehnt), doch mit der neu gefundenen Zufriedenheit im Leben der Musiker ist „Sway“ eine logische Entwicklung, die künstlerisch beeindruckend umgesetzt wurde.

Anspieltipps:

  • Fear
  • Debris
  • Light you up
  • Not broken anymore
  • Angels in everything
  • Things we do at night

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