Glen Campbell - See You There - Cover
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Glen Campbell See You There


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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Glen Campbell - See You There
10 1 8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Modifiziert und modernisiert: Glen Campbell nimmt Abschied mit seinen Klassikern.

Von den etwas reiferen Herren im popmusikalischen Zirkus gibt es einige. Bob Dylan, Neil Young, Van Morrsion und The Rolling Stones sind dabei die Bekanntesten, beim Namen Glen Campbell hingegen werden einige fragend die Stirn runzeln. Aber irgendwie kennt man ihn dann doch, denn Songtitel wie „Rhinestone Cowboy“, „Wichita Lineman“ oder „By The Time I Get To Phoenix“ sind schließlich im kollektiven Pop-Bewusstsein verankert.

Glen Campbell war in den 60er- und 70er-Jahren mit für die Verschmelzung von Country und Pop verantwortlich. Weniger bekannt ist, dass er als Session-Gitarrist für Phil Spector und beim The Beach Boys-Meisterwerk „Pet Sounds“ mitgewirkt hat. Auch auf Aufnahmen von Frank Sinatra, The Righteous Brothers, The Monkees, Elvis Presley, Bobby Darin, Merle Haggard, Bobby Vee u.v.a. ist Campbell zu hören. Mittlerweile ist der Amerikaner 77 Jahre alt und muss seit einigen Jahren mit der Diagnose Alzheimer leben.

Mit dieser Vorgeschichte erhält der Albumtitel „See You There“ eine zusätzliche, geradezu wehmütige Dimension. Campbell hält seine vermutlich letzte Rückschau, indem er seinen alten Klassikern neues Leben einhaucht und sein Publikum daran teilhaben lässt. Dabei modernisiert er seine Songs, indem er sie einer leichten Modifizierung unterzieht. Seine Stimme klingt nach all den Jahren sehr ausgeruht und entspannt. In dieser Gelassenheit schwingt jedoch wiederholt Wehmut mit, wirklich schmerzhaft werden Campbells Neuinterpretationen aber nicht. Er scheint seinen Frieden gefunden zu haben, umschifft jedoch das allzu Versöhnliche, auch auf diesem Spätwerk gelingt ihm die Balance zwischen Country und Pop so vorzüglich wie immer, wenn auch auf andere Weise.

Die von ihm selbst mit Julian Raymond komponierten Titel „Waiting On The Comin‘ Of My Lord“, „What I Wouldn’t Give“ und „There’s No Me... Without You” erlangen angesichts seines Alters und seiner Alzheimer-Erkrankung eine zusätzliche Bedeutungsebene, dienen Campbell womöglich als Erinnerungs- und Wiedererkennungsbrücke. Dabei ist es interessant zu hören, wie er „Waiting On The Comin‘ Of My Lord“ in eine wehmütige und optimistische Version (mit Streichern und Mariachi-Bläsern) umdeutet. Desgleichen widerfährt dem mit herrlichen weiblichen Harmoniestimmen veredelten „Postcard From Paris“. Am Ende hallt die zweite, Pedal Steel jauchzende Version von „What I Wouldn’t Give“ in die Zukunft, blickt mit der abschließenden Zeile „I‘ll see you again“ zuversichtlich auf die andere Seite. Als Campbell das fertige Album gehört hat, soll er über das ganze Gesicht gestrahlt haben, erzählt seine Ehefrau Kim in den Liner Notes. Seine aufmerksamen Hörer werden lachen und weinen zugleich!

Anspieltipps:

  • Wichita Lineman
  • Waiting On The Comin’ Of My Lord
  • By The Time I Get To Phoenix
  • Rhinestone Cowboy
  • Postcard From Paris – Alternate Mix
  • What I Wouldn’t Give – Alternate Mix

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