Maybebop - Weniger Sind Mehr - Cover
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Maybebop Weniger Sind Mehr


  • Label: Starwatch/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
9.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das neue Maybebop-Album ist mit einem Tag gleichzusetzen, an dem einfach alles schiefgeht.

„Weniger Sind Mehr“. Was wollen uns Maybebop mit diesem Titel sagen? Schließlich braucht es ganze 14 Tracks, die nacheinander ins Wasser fallen, bis der Schrecken des neuen Albums endlich ein Ende hat. Niemand zwingt Musiker, zeitgemäß zu sein. Sie dürfen gerne Einflüsse früherer Jahrzehnte zurückbringen, aber diese A-cappella-Band vereint allein die schlechtesten Eigenschaften der 90er-Jahre mit Mitläufersymptomen der Gegenwart. Eine Dreiviertelstunde voller Ausrutscher ist das Ergebnis, welches am wenigsten wehtut, wenn es geistlos stringent vor sich geht.

Auch Die Prinzen haben lange gebraucht, um zu merken, dass ihre Zeit vorbei ist. Maybebop lassen sich nicht lumpen und beweisen ebenfalls, dass sie keinen Bezug mehr zu guter Musik haben und sich in identitätsfreiem Pop verlieren können. „Im Moment Ist Alles Richtig“ und „Ideal“ sind als Füllmaterial für Katy Perry gerade noch so annehmbar und versuchen irgendwie, nach modernem Radio (plus Mundakrobatik) zu klingen. Traurigerweise sind diese Nummern jedoch noch die Stärken des Albums.

Ansonsten schaffen sich Maybebop ihre eigene Welt, die thematisch veraltet ist und selbst vor Einflüssen von Tic Tac Toe nicht Halt macht („Beim Nächsten Mal“). Maybebop kennen keine Scham, aber auch Charme hat das nicht, wenn allein die Fremdscham den Hörer antreibt. Von peinlichen Dubstep-Ausflügen („Nimm Mich Mit“ inklusive Rap-Einlage, die dem Ausdruck Rap absolutes Unrecht tut) wird es nicht besser, wenn der Weltverbesserungsplastikpop in „In Zehn Jahren“ sämtlichen Musikvorlieben einen sauren Nachgeschmack verschafft.

Die Liste könnte problemlos fortgeführt werden. „Erlkönig“ verhunzt die Goethe-Ballade mit schlecht tief gestellter Stimme und wahllosen Sounds, „Fahrgefühl“ lässt sich auf das grenzdebile Niveau eines „Beim Nächsten Mal“ herab und der Humor aus „Esst Mehr Insekten“ war das letzte Mal vor mehr als einer Dekade gefragt. Nicht nur, dass man das Gefühl bekommt, dass Maybebop keinerlei Bezug zu ihrer Musik haben, fragt man sich ernsthaft, welche Hörer auf diese Fehlkonstruktion anspringen sollen.

Auf „Weniger Sind Mehr“ gibt es keine guten Lieder. Maximal gibt es jene, die tatsächlich ohne echte Peinlichkeiten und Gezwungenheit auskommen. Doch selbst diese Lieder sind nichts, womit man sich rühmen müsste und lassen auf der Textebene weiterhin einen altbackenen 90er-Jahre-Eindruck zurück („Ideal“). Bekanntlich soll man aufhören, wenn es am Schönsten ist, doch diesen Zeitpunkt hat die Band schon lange verpasst und wird ihr Schaffen wohl leider damit rechtfertigen, dass sie solange weitermacht, bis mal wieder ein gutes Album herauskommt. Bis dahin können wir Hörer nur beten, dass es zumindest nicht so durchgängig enttäuschend wird, wie der neueste Output dieser Gruppe.

Anspieltipps:

  • Ideal
  • Liebesbrief

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