Zebrahead - Call Your Friends - Cover
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Zebrahead Call Your Friends


  • Label: Granted Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

They don't give a fuck. Hoffnungslos anachronistisch und mittlerweile so uncool wie die 90er-Jahre selbst – und gerade deshalb so gut!

Musik für die ewig Gestrigen sagen die einen, Musik mit einem gehörigen Schuss Nostalgie und Sentimentalität sagen die anderen und dann gibt es noch die Fraktion, denen es schlichtweg egal ist, was Pop-Punk, Snotcore oder Skater-/Surfer-Punk im Jahre 2013 ist. Zebrahead klingen wie im Jahre 1996, dem Jahr ihrer Gründung, und denken gar nicht daran, dass der Begriff „Berufsjugendlicher“ von einigen Menschen als Stigma gesehen wird. Matty Lewis (Gesang, Gitarre), Ali Tabatabaee (Rap), Ben Osmundson (Bass), Ed Udhus (Schlagzeug) und Neuzugang Dan Palmer (Gitarre) machen daraus ihre große Stärke, tanken den Band-DeLorean und fahren mit diesem zu den stets total aus dem Ruder laufenden Hauspartys irgendwelcher kalifornischer Teenager. Skaten, Highschool-Bunnys anbaggern, Bier aus roten Pappbechern trinken - Zebrahead halten die Stellung, sie verweigern konsequent eine Weiterentwicklung des eigenen Sounds - von der des Genres ganz zu schweigen - und sind mit ihrem zehnten Studioalbum streng genommen (wieder einmal) ein ganzes Jahrzehnt zu spät dran. Cool ist das schon lange nicht mehr, den Nerv treffen die Jungs garantiert nur bei Liebhabern und Fans, eine Daseinsberechtigung hat „Call Your Friends“ aber gerade deshalb allemal.

Denn Zebrahead machen Laune wie eh und je. Tiefgründig sind die 14 Kompositionen auf „Call Your Friends“ keinesfalls, dafür energiegeladen, spaßig und unbeschwert. Sie stehen dafür, dass die Musiker ohne Kompromisse genau das tun, was sie wollen und am besten können. Zebrahead kopieren nicht den Spirit ihrer Musikrichtung, sondern haben ihn stets bewahrt. „Call Your Friends“ gewinnt so eine Leichtigkeit, die allen Unkenrufen zum Trotz auch heute noch attraktiv und ansprechend ist. „Sirens“, „I'm Just Here For The Free Beer“, „Born To Lose“, „Until The Sun Comes Up“ oder der Titeltrack sind waschechte Pop-Hymnen, die zum Mitsingen und Tanzen animieren. Wer auf die einstigen Großtaten von Sum 41, Blink 182, aber auch auf die in der Relation „angehärteten“ Billy Talent steht, wird prima unterhalten werden. Der für die Rap-Parts eingespannte Ali Tabatabaee hält sich dabei oftmals zurück. In den sehr an Limp Bizkit erinnernden Songs „Stick 'Em Up Kid!“, „Nerd Armor“ und „Last Call“ (Achtung, Maiden-Riffs!) übernimmt er dagegen das Ruder und gibt der Musik einige kleine Nuancen, welche für Abwechslung sorgen, sich aber stimmig ins Gesamtbild einfügen. In der Vergangenheit hatte der gute Herr zwar teilweise ein wenig mehr zu tun, ist auf „Call Your Friends“ aber eine immer wieder sinnvolle Erweiterung, ohne all zu dominant zu wirken.

„Gimme an F, gimme a U, gimme C - K - Y - O - U!“, Zebrahead machen einfach was sie wollen und wahrscheinlich wird man von dieser Band nie ein Album zu hören bekommen, welches auch nur ein einziges Experiment eingeht. Stattdessen bewegen sich die Zebraköpfe mehr und mehr in eine beinahe romantische Richtung, wenn es um ihren Stil geht. Was damals funktioniert hat, funktioniert auch heute noch - nur etwas anders und garantiert nicht ohne einen leicht nostalgischen Blick. An wen ist „Call Your Friends“ denn nun gerichtet? Die fünf Jungs stecken hoffnungslos in den frühen Nullerjahren (mindestens!) fest. Die Partys sind vorbei, die Trends wurden wie schon so oft von neuen abgelöst und viele ihrer alten Fans haben das Skateboard wahrscheinlich längst gegen die Familienkutsche eingetauscht. Ihre Zielgruppe werden Zebrahead aber wieder finden - ihr Pop-Punk macht nach wie vor außerordentlich viel richtig, ist handwerklich an der Spitze des Genres und rockt fröhlich drauflos. Fans der Band oder der Musikrichtung im Allgemeinen sei „Call Your Friends“ ohne Frage ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Sirens
  • I'm Just Here For The Free Beer
  • Call Your Friends
  • Born To Lose
  • Until The Sun Comes Up
  • Last Call

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