Elton John - The Diving Board - Cover
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Elton John The Diving Board


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 76 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein weiteres gediegenes Alterswerk, das auf Hits verzichten muss, aber über die Atmosphäre punktet.

Nachdem das neue Album des „Mannes am Klavier” bereits für den Herbst des Jahres 2012 avisiert war, meldet sich Sir Elton John (66) mit seinem nach neuester Zählung 31. Solowerk „The Diving Board“ tatsächlich erst jetzt, mit einjähriger Verspätung zurück. Angeblich war der Meister mit dem Ergebnis lange nicht zufrieden und zog das Songwriting und die Aufnahmen deshalb immer weiter hinaus. Und dann muss so ein Album ja auch noch in den Marketingplan der Plattenfirma passen, die „The Diving Board“ am Ende mehrfach bis auf September 2013 verschob.

Begleitet wurden die Sessions wie schon beim Vorgänger „The Union” (10/2010) erneut von Produzent T Bone Burnett (u.a. Jakob Dylan, Diana Krall, John Mellencamp, Elvis Costello, Natalie Merchant). Dieser schlug Elton John vor, zu seinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren und mit deutlich entschlackten Arrangements, die sich auf Johns Stimme sowie sein Pianospiel in Verbindung mit Bass- und Schlagzeugklängen konzentrieren, an die Werke der 70er Jahre anzuknüpfen. Dabei unterstützen den Vater von zwei Kindern u.a. der vielbeschäftige Studio-Drummer Jay Bellerose (Ray LaMontagne, Grant-Lee Phillips, Solomon Burke, Robert Plant), der Percussionist und Motown-Legende Jack Ashford (Funk Brothers, Marvin Gaye, Edwin Starr) sowie der R&B-Sänger und Bassist Raphael Saadiq (The Roots, Joss Stone, John Legend).

Damit muss sich der geneigte Hörer nach Elton Johns letztjähriger Zusammenarbeit mit dem französischen Electro-Duo Pneu erneut umstellen, bekommt dafür aber einen Longplayer geboten, der sich nach einiger Anlaufzeit als sehr solides Bälle zuspielen mit seinem kongenialem Partner Bernie Taupin (63) herausstellt. Dieses beginnt mit dem nachdenklich reflektierendem „Oceans away“ und dem perkussivem „Oscar Wilde gets out“ – wie gesagt – etwas schwerfällig, nimmt dann aber langsam an Fahrt auf.

So sind die Harmonien in „A town called Jubilee“ und „Can’t stay alone tonight“ schon deutlich mehr Elton-John-like, während sich „The ballad of blind Tom“ als verspielte Fingerübung auf dem Piano herausstellt, wobei die edle Rhythmusabteilung stets allgegenwärtig ist. Als zwischenzeitliches Highlight stellt sich das dramatisch und mit düsteren Moll-Tönen aufgebaute „My quicksand“ heraus, während das kurzzeitig als Titelsong gehandelte „Voyeur“ dem guten, alten „Candle in the wind“ nacheifert.

Auf diese Art schwingt sich „The Diving Board“ Stück für Stück zu einem streckenweise guten, aber nie überragenden Spätwerk auf, mit dem sich Elton John eventuell in den Ruhestand verabschiedet, da die Verkaufszahlen all seiner in den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten Alben doch recht mager ausgefallen sind. „The Diving Board“ wird daran ohne einen Singlehit wohl auch nichts ändern.

Anspieltipps:

  • Voyeur
  • Home again
  • My quicksand
  • Can’t stay alone tonight
  • Mexican vacation (kids in the candlelight)

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