Imagine Dragons - Night Visions - Cover
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Imagine Dragons Night Visions


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

The cake is a lie: Imagine Dragons locken am Anfang mit echten Hits, lassen dann aber kontinuierlich nach.

So viel Glück wie die Imagine Dragons hat nicht jede junge Band - auch wenn sie es letztendlich verdient hätte. Dan Reynolds (Gesang), Ben McKee (Bass), Wayne Sermon (Gitarre) und Daniel Platzman (Schlagzeug) gründeten ihre Imagine Dragons im Jahre 2008. Als ihr Song „Radioactive“ den Trailer zum Ubisoft-Historienschinken Assassin’s Creed III musikalisch untermalte, wurden sie quasi über Nacht berühmt und waren plötzlich in aller Munde. Nach vier vom Mainstream ignorierten EPs, kommt schließlich der Durchbruch in Form des Debüts „Night Visions“. Die Drachen setzen also ihr Nachtsichtgerät auf - das ist auf ihrem Erstling auch absolut nötig, denn bei all dem Schatten machen sich die Lichtblicke doch rar, können von den vier Musikern am Ende dennoch ausfindig gemacht werden.

Der allseits bekannte Opener „Radioactive“ ist und bleibt eine waschechte Hymne mit enormem Ohrwurmpotential und stellt ohne Frage das große Highlight des Albums dar. Mit pumpenden Elektro-Beats und einem wummernden Bass gibt die Single beinahe schon ein falsches Bild vom Debüt der Imagine Dragons, denn „Radioactive“ steht losgelöst vom Rest recht alleine da. Das Gros des Materials ist erschreckend harmloser, putziger Radiopop. Besonders die Schlusslichter „Cha-Ching (Till We Grow Older)“ (OneRepublic-Einschlag), „Demons“ und „Working Man“ sind ziemlich beliebig, innovationsarm und wirken wie unnötig hinzuaddierte Filler.

Auch die andere Single „It's Time“ tut keinem weh - wüsste man es nicht besser, hätten das wuchtige „Radioactive“ und das niedliche „It's Time“ von zwei völlig unterschiedlichen Bands sein können. Wenn die Dragons dann bei „Bleeding Out“ und „Every Night“ und in die BritPop- und insbesondere Coldplay-Trickkiste greifen, wird es schon interessanter. Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt. Schlecht ist das aber keinesfalls und die Jungs aus Las Vegas trumpfen deutlich auf, wenn sie sich für einen solchen Sound entscheiden.

Richtig gut dagegen: der Smiths-trifft-80er-Synthies-Smasher „Tiptoe“ und die melancholischen, an Keane erinnernden „Amsterdam“, „Hear Me“ und „Nothing Left To Say“ (ohne dem dran gehängten „Rocks“). Diese Songs sind die nötigen Gegengewichte, wenn man mit den grausig-naiven Ethno-Nummern „Top Of The World“ und „Underdog“ unter die Gürtellinie schlägt. Sie würden sich bei der nächsten Fußball WM ganz gut machen, sind auf „Night Visions“ aber ärgerliche Stolpersteine mit denen sich Imagine Dragons keinen Gefallen tun. Auch Abwechslungsreichtum will gelernt sein. Und den beherrschen Imagine Dragons nur bedingt. Wenn sie sich für harmlosen Pop entscheiden, können sie am ehesten überzeugen.

Spielereien wie in den ganz vorne platzierten Tracks „Radioactive“ und „Tiptoe“ funktionieren ebenfalls super, locken aber mit Qualitäten, die über kurz oder lang keinesfalls gehalten werden können. Dadurch wird „Night Visions“ recht halbgar, durchschnittlich und hat neben den angesprochenen Highlights auch krasse Gegenteile in petto. Mit ein wenig Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Mut, sollte aber künftig noch einiges möglich sein.

Anspieltipps:

  • Radioactive
  • Tiptoe
  • Amsterdam
  • Hear Me
  • Nothing Left To Say

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