Jay-Z - Magna Carta Holy Grail - Cover
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Jay-Z Magna Carta Holy Grail


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„I need a Dollar Dollar, a Dollar is what I need!“

Sean Corey Carter alias Jay-Z ist ein Fuchs. Die Karriere des New Yorkers begann einstmals als Drogendealer in Brooklyn, bevor er als Rapper zum Star wurde und inzwischen mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger sowie 17 gewonnene Grammys vorweisen kann. Darüber hinaus etablierte er sich als Plattenfirmen- und Mode-Label-Boss (Jahresumsatz von Rocawear in 2012: 490 Millionen Euro) und staubte mit Beyoncé Knowles einen der heißesten Feger des Music Biz als Ehefrau ab. Soweit bringt man es nur mit Ideen, Durchsetzungsvermögen, einer Prise Draufgängertum und Charme. Und selbst wenn Jay-Z nach fast 20 Jahren als Rapper so gut wie alles erreicht hat, ist er auch anno 2013 um kein Geschäftsmodell verlegen, um in Zeiten sinkender Absatzzahlen richtig fett Kasse zu machen.

So wurde Jay-Zs mittlerweile zwölftes Soloalbum „Magna Carta Holy Grail“, das in rekordverdächtigen zwei Wochen fertiggestellt wurde, nicht einfach wie immer auf den Markt gebracht, sondern für kolportierte 20 Millionen Dollar an den Industriegiganten Samsung verkauft, der das Werk seinen „Galaxy“-Smartphone-Kunden vier Tage vor der offiziellen Veröffentlichung als App zur Verfügung stellte. Am 4. Juli 2013, dem Tag des amerikanischen Nationalfeiertags, wurde die exklusive App freigeschaltet – und zwei Stunden später war die Musik bereits auf den meisten (illegalen) Download-Plattformen zu bekommen.

Trotzdem hatte jeder, was er wollte: Samsung stand als innovatives Unternehmen dar, Jay-Z hatte die Taschen voller Geld und zusätzliche Promotion und die Fans (mit Samsung-Handy) ein kostenloses Album des 43-jährigen Rappers. Doch was kann „Magna Carta Holy Grail“ tatsächlich? Ein Longplayer, an dem die aktuelle heilige Dreifaltigkeit des R&B und HipHop – Timbaland, Pharrell Williams und Justin Timberlake – herumgefummelt hat und der in zwei Wochen im Kasten war. Die Antwortet lautet: Am Anfang durchaus Großartiges. Denn schon die Hookline des Openers „Holy grail” im Duett mit Justin Timberlake (inklusive Nirvana-Zitat) ist zum Niederknien, während „Picasso baby“ im coolen Old-School-Style aus den Boxen rumpelt und das düstere „Fuckwithmeyouknowigotit“ mit den markanten Raps von Gaststar Rick Ross aufgemöbelt wird.

Ein mehr als solider Beginn, der allerdings noch Luft nach oben lässt und im weiteren Verlauf des Albums leider nicht mehr ausgefüllt wird, da sich Jay-Z nur noch an Standards und den üblichen Text-Schauplätzen orientiert, die er routiniert herunter spult. So zeigt die Formkurve mit Tracks wie „Somewhereinamerica“, „Crown“, „Versus“ oder auch „BBC“ beharrlich nach unten und es spielt keine Rolle mehr, dass mit Frank Ocean („Oceans“) und Beyoncé („Part II on the run“) noch zwei weitere Features auftauchen.

So stark der Auftakt von „Magna Carta Holy Grail“ auch ist, so rasant geht diesem Werk mit zunehmender Spieldauer immer mehr die Luft aus, bis am Ende nur noch platte Standortbestimmungen wie „La familia“ und „Nickels & dimes“ übrigbleiben, die jeder andere Rapper um die Ohren gehauen bekommen würde. Aber was kümmert das einen Künstler, der seine Musik an einen Handy-Hersteller verkauft? Vermutlich nichts, denn die Kasse stimmt ja.

Anspieltipps:

  • Heaven
  • Holy grail
  • Tom Ford
  • Fuckwithmeyouknowigotit

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