Dark Moor - Ars Musica - Cover
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Dark Moor Ars Musica


  • Label: Audioglobe/SOULFOOD
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gewohnt opulenter Symphonic Metal auf allerhöchstem Niveau.

Fans der „zweiten Liga“ des Symphonic Metals wissen es schon lange, Kenner der südeuropäischen Szene verehren sie mit Recht als eines der absoluten Aushängeschilder: Dark Moor schafften zwar nie den kommerziellen Durchbruch, steigerten sich aber über die Jahre so sehr, wie es nur eine Genregröße mit ordentlich Zaster im Hintergrund vermag. Zusammen mit Tierra Santa sind sie daher völlig verdient eine Vorzeigeband, wenn es um spanischen Power Metal im Allgemeinen geht. Und obwohl ihr Wiedererkennungswert hoch ist, konnte sich die Band die eine oder andere Adaption ihres Sounds nicht verkneifen. Was als Helloween-Hommage begann, entwickelte sich spätestens seit „The Gates Of Oblivion“ (2002) zum absoluten Genre-Geheimtipp, der unter Fans als bessere Rhapsody angesehen und sogar in einem Atemzug mit Nightwish genannt wurde. Enrik García (Gitarre), Alfred Romero (Gesang), Mario García González (Bass) und Roberto Cappa (Schlagzeug) blieben sich treu, waren sich allerdings auch nie zu schade, ein wenig zu experimentieren.

„Ars Musica“ geht abermals andere Wege. Einige Momente auf dem Album sind ohne Frage die zugänglichsten und ruhigsten, welche man in der mittlerweile zwei Dekaden zählenden Historie der Spanier, zu hören bekommt. Und es sind ohne Frage die mit Abstand pompösesten und opulentesten Momente Dark Moors. Mehr Symphonic, weniger Metal - Dark Moor befolgen auf ihrer neunten Langrille dieses Kredo und dürften damit nicht wenige Fans bitter enttäuschen. Wie hoch die Toleranzgrenze ist, prüft die Band mit Songs, die nur knapp davor sind, Pop-Rock mit Orchester zu werden. „This Is My Way“ sowie die Ballade „Gara & Jonay“ haben selbst für den potentiell massenkompatiblen Power- und Symphonic-Metal erstaunliche Radioqualität. Metaler, welche grundsätzlich die Nase rümpfen, wenn nicht hart oder gitarrenorientiert genug gearbeitet wird, dürften trotz hoher Qualität das blanke Schaudern bekommen. Selbst die recht zackige, aber relativ uninspirierte Single „The Road Again“ oder der instrumentale Gitarrenzauber „Asturias“ haben da kaum Überzeugungskraft. Dennoch hat „Ars Musica“ einiges zu bieten und macht seinem Namen alle Ehre. „First Lance Of Spain“, „The City Of Peace“ und „Together As Ever“ sind opulente Hymnen und erfreuen den Hörer mit modernem High-Class-Symphonic-Metal. „Saint James' Way“ schließlich zaubert aus dem immer beliebter werdenden „Seefahrer Metal“, folkigen Elementen und dem pianogetriebenen Hardrock eines Gary Moore einen waschechten Ohrwurm.

„Living In A Nightmare“ könnte schließlich das uneheliche Kind von Kamelot, Powerwolf und Carl Orff (vielleicht als Taufpate?) sein - und zumindest die beiden anderen Genrevertreter dürfen sich hier eine gehörige Scheibe abschneiden! Der aggressive Opern-Metaller ist schier brillant, glänzt durch aberwitzig-virtuose Gitarrenarbeit und die vielleicht beste gesangliche Leistung, die Frontmann Alfred Romero seit seinem Einstieg im Jahre 2003 jemals hingelegt hat. Generell scheint dem ohnehin großartigen Vokalisten die gediegene Gangart durchaus besser zu bekommen. In der Vergangenheit konnte Romero seine Speed-Metal-Kompatibilität oft genug beweisen. Auf „Ars Musica“ nutzt er die hauptsächlich in Mid-Tempo geschriebenen Kompositionen aus - fast scheint es so, als hätte man das Album ihm und seiner ausgebildeten Opernstimme angepasst. Das gipfelt im komplett spanisch eingesungenen „El Último Rey“, welches sich als Musicalnummer mit Stromgitarren outet. Wenn man nicht zwangsläufig auf Rhapsody Of Fire ab etwa 2004 steht, dürfte so viel Pathos sogar kitscherprobten Power Metalern zu viel werden. Dennoch besteht an der kompositorischen Qualität der Spanier nicht der geringste Zweifel. Das ist ganz groß, für manche wahrscheinlich zu groß. Gut ist es aber ohne Frage!

Nachdem man fast damit gerechnet hat, dass Dark Moor mit „Autumnal“ (2009) ihre Ideallinie gefunden haben, beweisen sie wieder, dass sie eigentlich keinen Stillstand kennen. In der direkten Relation zu den vorherigen Werken, wirkt „Ars Musica“ stellenweise wie ein Experiment. Die Fans, welche schon immer die orchestralen Momente der Spanier am liebsten mochten, dürften da wahre Freudentränen vergießen. Und somit wird Studioalbum número 9 zu einer echten Überraschung. Nur ob die Überraschung nun eine schöne oder böse ist, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Doch egal was der heutzutage eigentlich alles abdeckende Begriff Metal voraussetzt: „Ars Musica“ ist Symphonic Metal auf allerhöchstem Niveau, muss sich spätestens jetzt nicht mehr hinter dem Schaffen und den Visionen eines Tuomas Holopainen verstecken und beweist erneut, dass man die Helden der zweiten Liga keinesfalls unterschätzen sollte.

Anspieltipps:

  • First Lance Of Spain
  • Together As Ever
  • The City Of Peace
  • Living In A Nightmare
  • El Último Rey
  • Saint James' Way

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