Gold Panda - Half Of Where You Live - Cover
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Gold Panda Half Of Where You Live


  • Label: Ghostly International/ALIVE
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Gold Panda tut, was er am besten kann. Weniger spannend, aber eingängiger und genauso genießbar wie auf dem Debüt.

Gold Panda veröffentlicht sein Zweitwerk „Half Of Where You Live“ auf dem Ghostly International Label, bekannt für einiges an obskurer Electronica (Shigeto, Dabrye). Der Mann, der sich und dem Chillwave-Genre mit seinem gefeierten 2010er Debüt „Lucky Shiner“ einen Namen gemacht hat, experimentiert weiter mit klimpernder Electronica und klassischen House-Beats.

Dabei greift bereits der erste Track selbstreferentiell auf „Lucky Shiner“ zurück. So erinnert das Glockenspiel, das ab der Mitte des Openers ertönt, extrem stark an „Same Dream China“ aus dem Erstlingswerk. Allerdings ist der Beat schneller und voluminöser, der Track im Ganzen durch flächige Synthies und allerlei Effekte ungleich komplexer. Insofern ist Gold Panda der Hang zu atmosphärischer, repetitiver Electronica mit tanzbaren Beats keinesfalls verloren gegangen. Das begreift man schon nach Track zwei, „An English House“, der einen ganz klassischen Chillwave-Song mit sonnigem Gemüt und simplem Vocal-Sample („In this house“) darstellt. Ähnlich auch „Brazil“ (wiederholtes Vocal-Sample: „Brazil“).

Etwas abwechslungsreicher wird es dann mit „My Father in Hong Kong“. Der Track stützt sich statt auf Beats hauptsächlich auf einen lang gedehnten Synthie. Dennoch bleibt mit dem Klingeln, das jenen Synthie unterstützt, die Grundatmosphäre der für Gold Panda typischen Werke erhalten, weshalb es letztlich doch bei einem kurzen Ausblick auf das, was möglich wäre, bleibt. Viel mehr konzentriert sich Gold Panda darauf, die Ideen von „Lucky Shiner“ auf „Half Of Where You Live“ auszubauen und zu festigen. So ist auch „Community“ kein großes Experiment, kein Ausreißer in eine andere Richtung, aber dafür ein sehr solider und gelungener Chillwave-Song.

Ansonsten zeigt sich Gold Panda auf diesem Album sehr weltmännisch. Wie auf seinem Debüt spürt man die Einflüsse exotischer Musik, wie eben auf „Brazil“ oder „We Work Nights“, einem genialen Track mit Zithern. Eine andere Seite zeigt schließlich die Namensgebung einzelner Werke: „My Father in Hong Kong“ und die melancholischen „Flinton“ und „Enoshima“ sind klare Anspielungen auf Gold Pandas Vergangenheit in England und Japan.

Gold Panda ist auf „Half Of Where You Live“ weit weniger experimentierfreudig als auf „Lucky Shiner“. Er scheint sich dafür entschieden zu haben, ein solides Album zu schaffen, das sich klar einer Richtung zuordnen lässt. Bis auf „My Father in Hong Kong“ und „S950“ findet man daher auf dem Album in erster Linie beatlastige Tracks mit elektronischer Frickelei, die dennoch über das Album hinweg abwechslungsreich bleiben. Das Konzept des Experimentierens, das auf seinem Debüt vorherrschte, wurde hier durch die Idee der Autobiographie ersetzt. So hört sich das Album ein wenig wie eine Geschichte des Aufwachsens und Reisens in verschiedensten Städten der Welt an. Der Nebeneffekt, sich vielleicht nirgendwo richtig zuhause zu fühlen, erklärt den Albumtitel. Gold Panda schafft es, diese Verbindung zu allem und letztlich doch zu nichts, sehr gut zu transportieren. „Half Of Where You Live“ ist weltentrückt und gleichzeitig sehr in dieser Welt verwurzelt. Ein wunderbares Werk für Fernweh in Polaroidoptik und anspruchsvolles Nebenbeihören.

Anspieltipps:

  • An English House
  • Community
  • We Work Nights

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