Die Ärzte - Live: Die Nacht Der Dämonen - Cover
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Die Ärzte Live: Die Nacht Der Dämonen


  • Label: Hot Action Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 192 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Drei Lieder gespielt und schon werden mir Brüste ins Gesicht geworfen!“

Mit einem Konzertmitschnitt aus dem Heimatland der Ärzte macht man eigentlich nie etwas verkehrt. Das Publikum feiert BelaFarinRod, als ob sie die Reinkarnation einer alten ägyptischen Gottheit wären und Felsenheimer (Schlagzeug, Gesang), Vetter (Gitarre, Gesang) und Gonzalez (Bass, Gesang) treiben ihr komödiantisches Geschick mit herrlichem Witzen und Seitenhieben auf sich selbst und die jeden Mist mitmachenden Fans auf ein neues Hoch. Langweilig wird dem Hörer in den 192 Minuten des üppig ausgestatteten 3-CD-Paketes „Die Nacht der Dämonen“ somit eigentlich nie, oder? Naja, so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Aufgenommen an vier Abenden in der Festhalle Frankfurt (29. + 30.06.2012) und der Waldbühne in Berlin (18. + 19.08.2012) wurde ein durchgehender Konzertmitschnitt mit 47 Songs zusammengestellt, der sein Hauptaugenmerk auf die letzten beiden Studioalben „Jazz ist anders“ (11/2007) und „Auch“ (04/2012) gelegt hat, die damit ungefähr ein Drittel der kompilierten Setlist ausmachen. Die restlichen Tracks wurden mit den üblichen Verdächtigen wie „Langweilig“, „Ein Song namens Schunder“, „Westerland“ oder „Schrei nach Liebe“ befüllt, damit auch alte Hasen ihr Stück vom Kuchen abbekommen, und abschließend mit dem altbekannten Wortwitz des Trios und einigen, ausschweifenden Blödeleinlagen veredelt. Nichtsdestotrotz will sich kein richtiger Fluss einstellen, was möglicherweise auch zu einem gewissen Teil dem Compilation-Charakter der Veröffentlichung geschuldet ist.

Einige Songs gehen zwar ineinander über und im Dreier „Nie wieder Krieg, nie wieder Las Vegas“, „Meine Freunde“ und „Rettet die Wale“ benutzen BelaFarinRod sogar den gleichen Rhythmus und dieselben Melodien, was auch durchaus für Schmunzeln sorgt, aber die doch stark rocklastigen Kompositionen der rezenteren DÄ-Diskographie wollen sich hingegen nicht immer ins Gesamtkonzept einfügen, noch dazu wenn kopfschüttelnde Totalausfälle wie „Tamagotchi“ mit windschiefem Gesang intoniert werden, sodass man ohne viel nachzudenken die Skip-Taste drückt.

Besser ergeht es da schon Tracks wie „zeiDverschwÄndung“ mit seiner relaxten Surfästhetik, „Sohn der Leere“ mit ausuferndem Gitarrensolo oder dem allseits bekannten „Lasse redn“. Durchweg homogen sieht es dafür bei den Balladen aus, die sich als kleine Verschnaufpausen zwischen den zackigen Punk-Rhythmen nicht hinter der lautstarken Konkurrenz verstecken müssen, noch dazu, wenn Die Ärzte mit „1/2 Lovesong“, „Rebell“ und „Der Graf“ einige ihrer besten Pferde aus dem Stall lassen. Alles in allem ist „Die Nacht der Dämonen“ also kein Totalausfall oder gar ein unnötiger Die Ärzte-Overkill, aber die Live-Compilation „Wir wollen nur deine Seele“ (11/1999) hatte beispielsweise in dieser Beziehung einfach die kompaktere und stimmigere Zusammenstellung.

Wer sich nicht sicher ist, welche der verschiedenen Versionen er sich holen soll (Deluxe Blu-ray bzw. DVD, 3-fach CD, 5-fach LP), sollte am Besten in sein Portemonnaie schauen. Sicherlich ist die mit Zusatzgimmicks wie einem Flaschenöffner-Drumstick, signierten Gitarrenpicks, foliertem Backstagepass oder einem Gwendoline-UBS-Stick ausgestattete Deluxe Edition in Bild und Ton (wahlweise auf Blu-ray oder DVD) die einzige Wahl, wenn es darum geht, ein Rundum-sorglos-Paket zu bekommen, allerdings reicht die CD-only Variante zumindest bei schmaleren Geldbeuteln vollends aus, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie es um Die Ärzte im Jahr 2013 steht.

Anspieltipps:

  • Der Graf
  • Langweilig
  • Deine Schuld
  • Sohn der Leere
  • zeiDverschwÄndung

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