The Jokers - Rock & Roll Is Alive - Cover
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The Jokers Rock & Roll Is Alive


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Subtrahiert man die Filler-Interludien, ist das an und für sich vergnügliche Hardrock-Erlebnis sogar noch kürzer...

Der Rock’n‘Roll ist nicht tot. Ja, ja - wer überhaupt den Anschein gegeben hat, dass er es wäre, darf sich an dieser Stelle gerne melden. Elvis gibt’s schon lange nicht mehr, viele seiner Zeitgenossen ebenfalls. Und der selbsternannte Rock’n‘Rolla Lemmy wird früher oder später selbst in die Hölle hinabfahren. Aber der Rock’n‘Roll selbst? Ist doch lebendig - vorausgesetzt, der Begriff wird mal irgendwie definiert, und zwar so, dass es auch jeder versteht. Im Sinne von The Jokers handelt es sich um Hardrock, der ohne Frage aus den 70er-Jahren zu kommen scheint. Wane Parry (Gesang), Paul Hurst (Gitarre), Simon Hurst (Bass) und Chris Poole (Schlagzeug) holen ihn aus der Versenkung zurück - wie viele andere in den letzten Jahren auch. Ihr Cover-Artwork spricht Bände. Das Bandmaskottchen (?) Dr. Rock Head steigt als Untoter aus seinem Grab. Im Hintergrund stehen die Gräber von Jimi Hendrix und Bon Scott. Die bleiben im Sarg. Die Mission vom Onkel Doktor: Rock! Und die Jokers schließen sich ihm an, um einen netten musikalischen Anachronismus abzufeiern.

The Jokers sind eine waschechte Genre-Band! „Rock & Roll Is Alive“ will dem Hörer ein Lebensgefühl bieten, welches ohne Zweifel immer noch besteht, seine allerbesten Zeiten wahrscheinlich aber schon hinter sich hat. Da die Retrowelle aber weiterhin rollt, lassen sich die Jokers einfach mal mit treiben. Es muss nicht immer der schwere, staubige Led-Zep-Gedenksound (Scorpion Child, Kadavar) oder Retro Prog im Allgemeinen sein. The Jokers rocken unbeschwert drauflos und lassen am ehesten Erinnerungen an die großen AC/DC, Slade, Aerosmith oder die eine oder andere Hair-Metal-Band aufkommen. Ihr zweites Album will da nicht mehr und nicht weniger sein und verbindet die Einflüsse vergnüglich. Wirklich eigenständig sind die Briten dadurch streng genommen nicht, aber immerhin ziehen sie ihr Ding konsequent und gekonnt durch. Die Ziel- und Fangruppe wird’s freuen. Da The Jokers mit ihrem Debüt einen Achtungserfolg feiern konnten, wird nun einiges von ihnen erwartet. Und die Anhänger sollten nicht enttäuscht werden. Ausgelassene, zügige Hardrocker (Titeltrack, „Night Driver“, „Dr. Rock Head“) gibt es genauso wie den beinahe erwarteten Ausflug in bereits angesprochene Zeppelin-Gefilde („N.Y.C.“), Stampfer im Mid-Tempo („Silver City“), eine kleine aber feine Prise Glam („Find My Way Home“) sowie natürlich die obligatorischen Balladen. Und hier trumpfen die Jokers ohne Frage auf.

„Radio“ mausert sich von einer leicht melancholischen Ballade im Stile der frühen Scorpions zu einem erhabenen Rocker. „Bring Your Love Back To Me“ strahlt ohne Frage Coolness aus, ist ein gelungener Kontrast zum restlichen Material und so lange akustisch gehalten, bis sich der Song mit pointiert eingesetzten E-Gitarren zu einer an Guns 'N Roses erinnernde Powerballade entwickelt. „Rock & Roll Is Alive“ hätte mehr solcher Songs gebraucht. Und sie hätten ohne Frage auch ihren Platz auf dem Longplayer gefunden. Selbst wenn das mit 34 Minuten nicht gerade sehr lang ausgefallene Album zu keiner Zeit Ermüdungserscheinungen aufkommen lässt und den Hörer bei der Stange hält, hätten die vier Jokers sicherlich den einen oder anderen Song zusätzlich aufnehmen können.

„Blood Of Ox“ und „Sky Line“ sind zudem kurze Interludien, die auf einem Album von Vertretern anderer Genres vielleicht noch Sinn gemacht hätten, für die Ausrichtung der Hardrocker aber absolut sinnlos sind. Dies trübt den an und für sich guten Gesamteindruck ein wenig und erinnert an einen Schnellschuss. Das hätte die Band wahrlich nicht nötig gehabt. Fans greifen natürlich dennoch zu und werden glücklich. Allen anderen sei an dieser Stelle das Debüt „Big Rock & Roll Show“ empfohlen.

Anspieltipps:

  • Radio
  • Find My Way Home
  • N.Y.C.
  • Bring Your Love Back To Me

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