Owen - L´ami Du Peuple - Cover
Große Ansicht

Owen L´ami Du Peuple


  • Label: Polyvinyl/CARGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Sauerstoff für die Ohren: Spannungs-, Melodie- und Entspannungsbögen.

Hinter Owen steht Mike Kinsella aus Chicago, ein Multiinstrumentalist, der bei den Indiebands Joan Of Arc, American Football, Maritime und Aloha mitmischt bzw. mitmischte. Owen ist sein Soloprojekt, das er nach dem Ende von American Football in Angriff nahm. Seiner neuen Veröffentlichung gab er den Titel „L’Ami Du Peuple“, es ist bereits seine siebte unter dem Namen Owen.

Relativ unspektakulär wird das Album mit „I Got High“ eröffnet und zeigt dennoch gleich die Besonderheiten von Kinsellas Songwriting auf, das sehr eng mit den produktionstechnischen Mitteln verwoben ist. Das feingliedrige Spiel auf der Akustik- und Elektrogitarre und der zurückhaltende, dennoch emotionale Gesang bilden das Zentrum, das in einen luftigen Klangraum gestellt wird, der Transparenz und Detailgenauigkeit hervorkehrt. In seinen Texten werden Inspiration, Liebe, Tod und Träume thematisiert, wiederholt von Cello (Tomeka Reid) und Violinen (Kristina Dutton) untermalt oder von der weiblichen Harmoniestimme Lupe Martinez‘ in Einklang gebracht. Hier und da schlängeln sich wohlklingende Keyboard-Töne, die auf ein federnd synkopisches Rhythmusgerüst treffen, wie z.B. auf „The Burial“.

Wie Schlagzeug und Bass die Songs vorantreiben, geradezu aufbrausend und dynamisch das akustische Konzept aufbrechen, ist eine weitere Besonderheit von Owen, der den Songs dynamische Spannungsbögen verpasst. Die Melodiebögen wiederum, werden von den Gitarren und Stimmen gezeichnet und erzeugen in Verbindung mit den partiell donnernden Rhythmen energetische Gegensätze. Dagegen leben einige Songs ausschließlich von ihrer poetischen Schönheit, wie z.B. „Love Is Not Enough“, das mit Streichern veredelt wird.

Wie kunstvoll und fein das Ganze komponiert wurde, wird nach wiederholtem Hören deutlich. Die Songs wirken vertraut und harmonisch, halten dennoch die Spannung hoch, zeigen eine Farbenvielfalt und werden nie langweilig, gerade weil sie auch den Entspannungsbogen nicht aus den Augen verlieren. Wer Vergleiche bzw. Anhaltspunkte über die musikalische Ausrichtung braucht: Irgendwo zwischen Maritime, The Sea And Cake und Veranda Music bewegt sich Owen in diesen zwischen Spannung und Entspannung angelegten Songs. Sie tänzeln und fließen wie frisch sprudelndes Quellwasser. Eine Sauerstoffmaske für die Ohren!

Anspieltipps:

  • Love Is Not Enough
  • The Burial
  • Who Cares?
  • Vivid Dreams

Neue Kritiken im Genre „Folk-Pop“
Diskutiere über „Owen“
comments powered by Disqus