Niedecken - Zosamme Alt - Cover
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Niedecken Zosamme Alt


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Bob Dylan aus Köln-Süd mit einem in Amerika eingespielten Konzeptalbum.

Das vierte Soloalbum „Zosamme alt“ von Wolfgang Niedecken (62) ist eine Herzensangelegenheit. Die Idee dazu stammt von seinem alten englischen Musikerfreund Julian Dawson (59), der dem Bap-Mastermind vorschlug, ein Akustik-Album aufzunehmen. Dazu sollte Niedecken in die USA reisen und mit amerikanischen Musikern arbeiten. Auf die Platten sollten all die Lieder kommen, die er in knapp 25 Jahren für seine zweite Frau Tina geschrieben hatte. Dieser Ausgangspunkt für „Zosamme alt“ liegt mehr als zwei Jahre zurück. Dazwischen lang eine Phase der Angst und Ungewissheit. Denn im November 2011 erlitt Wolfgang Niedecken einen Schlaganfall und es bestand die Gefahr, dass er nie wieder Musik machen würde.

Doch der liebe Gott wollte es anders. Und so meldet sich Wolfgang Niedecken deutlich ergraut, ein paar Kilo leichter und mit markantem Kinnbart mit dem lang vorbereiteten Unplugged-Album zurück. Dieses entstand im Dezember 2012 im Dreamland Studio in Woodstock, New York, zusammen mit den Musikern John Sebastian, Stewart Lerman, Larry Campbell, Steuart Smith und natürlich Julian Dawson und enthält neben einigen neuen Songs diverse altbekannte Bap-Titel, die jetzt in akustischen Klanggewändern im Kontext dieses Konzeptalbums neu erstrahlen.

Wenn Thees Uhlmann (39) als Bruce Springsteen von Nord-Niedersachsen gilt, dann stellt Wolfgang Niedecken den Bob Dylan aus Köln-Süd dar. Das machen die 14 Tracks auf seinem neuen Soloalbum mehr als deutlich. Denn genau wie Dylan ist Niedecken ein Geschichtenerzähler, der mit diesem Werk so tief wie noch nie in die Singer/Songwriter-Sparte einzieht. Mit konsequent abgespeckten Arrangements und einer amerikanisch gefärbten Instrumentierung (u.a. Pedal Steel Gitarre, Dobro, Wurlitzer Piano, Harfe, Cittar, Hammond Orgel, Violine, Saxophon, Mandoline) erreicht er dabei eine neuartige Intensität, die im bisherigen Rock-Korsett nicht möglich war.

So verwandelt Niedecken seine eigenen Klassiker wie „Rääts un links vum Bahndamm“ (1988), „Paar Daach fröher“ (1993), „Lena“ (1998) oder „Do jeht ming Frau“ (2005) in romantische Kleinode zwischen Folk und Americana, die er mit kratzig-sanfter Stimme eingesungen hat. Damit bremst der gebürtige Kölner das ausgelutschte Unplugged-Genre geschickt aus und präsentiert einen sehr speziellen Longplayer, der mit seinem inhaltlichen und musikalischen Konzept genauso polarisiert wie überzeugt.

Anspieltipps:

  • Griefbar noh
  • Nöher zo mir
  • Paar Daach fröher
  • Jedanke an Treibsand
  • Ich wünsch mir, du wöhrs he
  • Magdalena (weil Maria hatt ich schon)

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