Patrice - The Rising Of The Son - Cover
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Patrice The Rising Of The Son


  • Label: Supow Music/Groove Attack
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die späte Erkenntnis: Am besten klingt Patrice immer noch, wenn er auf allzu polierte Arrangements verzichtet.

Patrice wollte sich nie auf den klassischen Reggae beschränken, er wollte mehr und das macht er auch deutlich: „Da gab es diesen Hype mit Gentleman, Seeed und Culcha Candela, von dem ich kein Teil sein wollte, weil ich mehr kann. Deshalb habe ich mich mit den nächsten Alben davon distanziert“, lässt er sich vom KURIER zitieren. Ob Patrice wirklich mehr als die besagten drei Platzhirsche kann, soll an dieser Stelle nicht entschieden werden, auch wenn er seit seinem Debüt „Ancient Spirit“ (2000) musikalisch auffällig flexibel unterwegs ist. Dass der gebürtige Kölner trotz aller Experimentierfreude am besten klingt, wenn er auf dicke Arrangements verzichtet, ist die späte Erkenntnis seines neuen Studioalbums „The Rising Of The Son“.

Das endet nämlich nach einem aufregenden Hin und Her zwischen Dub, Reggae, R’n‘B und Songwritertum mit zwei Tracks („Good Tomorrows“ und „Angels Vs. Demons“), von denen zumindest Ersterer mit seiner liebevollen Art überambitionierte Nummern wie das vorausgegangene „1 In 7“ mit einem Saitenanschlag vergessen lässt. Es ist der versöhnliche Abschluss einer turbulenten, aber auch durchwachsenen Platte, die sich ungeachtet ihrer Reggae-Einflüsse gegen zu viel Trägheit wehrt und damit nicht nur zum Wippen, sondern gelegentlich auch zum Wackeln einlädt („Cry Cry Cry“, „God Bless You La La La“). Über allem schwebt selbstverständlich Patrice mit seinem herrlichen Gesang, der insgesamt fünfmal durch die Künste so verschiedener Gäste wie Busy Signal oder Ikaya wohltuend ergänzt wird.

Aufgenommen wurde „The Rising Of The Son“ unter anderem in den legendären jamaikanischen Tuff Gong-Studios, die aber scheinbar nur zum Teil auf das Resultat abgefärbt haben. In zahlreichen Momenten wäre trotz aller Cleverness weniger Politur und mehr Natürlichkeit durchaus eine denkbare Alternative für Patrice gewesen. Klar, irgendwie besitzen „Alive“ und „Boxes“ mit ihren verspielten Untermalungen aus ebenso sprunghaften wie durchdachten Beats einen gewissen Reiz, aber bei „Venusia“ und „One Day“ ist dieser Reiz dann auch schon wieder verschwunden und es bleibt die Frage, warum nicht viel mehr Songs wie „Hippies With Guns“ klingen. Manchmal ist weniger eben doch mehr, schließlich ging das Konzept damals bei „Everyday Good“ und „Up In My Room“ doch auch auf, oder?

Anspieltipps:

  • Cry Cry Cry
  • Good Tomorrows
  • Hippies With Guns

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