Flume - Flume - Cover
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Flume Flume


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Frisch, experimentierfreudig und abwechslungsreich. Aber doch nur gut gemeint.

„Flume und die Überraschung aus der Cornflakes-Packung“ könnte der Titel eines modernen Mainstream-Elektro-Märchens lauten, denn Harley Streten, Bedroom-Producer und gerade mal 21 Jahre jung, hat vor knapp 10 Jahren mit einem amateurhaften Softwareprogramm aus einer Cornflakes-Schachtel begonnen, Musik zu machen. Jetzt hat er als Flume sein gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht, auf dem er im EDM-Genre wildert. Mit interessanten Ergebnissen.

Interessant deshalb, weil es schwer fällt, das was dabei auf „Flume“ entstanden ist, richtig einzuordnen. In der Regel ist das ein Kompliment, denn niemand wird gerne in Schubladen gesteckt. Bei Flume schwingt dabei jedoch immer ein Rätselraten darüber mit, wie man die Musik am besten beschreiben könnte. Doch eines lässt sich auf jeden Fall festhalten: Streten komponiert komplexen Elektro und bedient sich dabei unterschiedlichster Einflüsse. Ganz stark vertreten ist HipHop, besonders zu hören auf „On Top“. „More Than You Thought“ ist ein etwas untypischer Dubstep-Track und rockige Vocals schmücken „Left Alone“. All diese Elemente erscheinen natürlich nicht exklusiv auf einzelnen Tracks, sondern ziehen sich durch das gesamte Album.

Ein bisschen ist es so, als würde man Flume dabei zugucken, wie er sich im Internet auf die Suche nach Inspirationen macht, alles mal ausprobiert, sich aber an nichts wirklich bindet. Passenderweise nennt er in einem Interview Flying Lotus als einen Einfluss, dessen Stil ebenfalls schon als Sinnbild der globalen Vernetzung und Informationsgesellschaft beschrieben wurde. Flume scheint sich tatsächlich ein Beispiel an ihm genommen zu haben, nur sind seine Ergebnisse eingängig und orientieren sich noch an traditionellen Songstrukturen.

Am stärksten jedoch orientiert sich Flume wohl doch an diesem schwammigen Genre-Konstrukt namens Post-Dubstep. Klappernde Beats, gerne mal ein wenig im Rhythmus verschoben, zerstückelte Vocals in fast jedem Track. Klimpernde und fiepsende Synthies. Das Ganze eben in Fusion mit buntem Allerlei. Klingt letztlich tatsächlich nicht so schlecht wie man meinen könnte, leidet aber trotzdem an einigen Problemen. Der wilde Mischmasch aus verschiedenen Genres ist oft nicht gut genug aufeinander abgestimmt und die Übergänge von Song zu Song stilistisch zu abrupt. Viele Lieder pendeln sich nach einer halben Minute in einem Rhythmus und einer Struktur ein und entwickeln sich daraufhin nicht mehr weiter. Vor allem die instrumentellen Tracks ohne Vocals leiden darunter, so dass die Lust, die CD noch einmal zu hören, leider entsprechend schnell vergeht. Trotz guter Ideen wirkt das Album halt doch nicht wie ein abgeschlossenes Werk, sondern eher wie ein halbgarer Schaulauf dessen, was Flume potentiell schaffen könnte, wenn er sich mehr auf eine Richtung konzentrierte. Schlussendlich ist ihm aber doch zu lassen, dass er ein interessantes Album geschaffen hat, bei dem man sich nach zweimaligem Durchhören jedoch immer häufiger mit dem Finger auf der Skip-Taste wiederfindet.

Anspieltipps:

  • Holdin On
  • On Top
  • Space Cadet

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