Braids - Flourish/Perish - Cover
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Braids Flourish/Perish


  • Label: Full Time Hobby/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Erwachsener, elektronischer, strukturierter. Mehr „Flourish“ als „Perish“.

Braids, das sind Raphaelle Standell-Preston (Gitarre, Keyboard, Leadgesang), Austin Tufts (Schlagzeug, Gesang) und Taylor Smith (Bass, Gitarre, Percussion, Gesang), stammen aus Kanada und veröffentlichten im Jahr 2011 „Native Speaker“ - ein Album, bei dem nicht nur das Cover mit bunten Farben, interessanten Texturen und Farbverläufen spielt. Die sieben Stücke, die die damals noch vierköpfige Band (Keyboarderin und Sängerin Katie Lee verließ die Band im Jahr 2012) auf die Platte packte, waren lange Werke, die sich langsam aufbauten, aber nie aufbäumten. „Ruhig, sphärisch, vor sich hin plätschernd und grade wegen des Gesangs doch faszinierend“, ist eine gute Beschreibung. Es überrascht also, das Cover von Braids' Zweitwerk „Flourish//Perish“: eine schwarze Kugel, scheinbar nicht von dieser Welt, dominiert das Bild. Der Hintergrund zeigt eine grau-weiße Landschaft, die sich nur durch ihr Relief vom ebenso hell-grauen Himmel abhebt. Dass sich Cover von Album zu Album verändern ist aber doch eine Selbstverständlichkeit.

Viel interessanter ist also die Antwort auf die Frage, ob und was sich musikalisch bei Braids verändert hat. Sofort fällt bei „Victoria“ der organische Sound auf, der, Logik beiseite, klingt, als wäre er unter Wasser aufgenommen worden. Unterstützt von einem Bass, der sich abwechselnd zu nähern und entfernen scheint, und Drums, die nur als Klacken und schnelles Tropfen zu beschreiben sind, klingt der erste Track bereits stark nach Braids. Raphaelles einzigartiger Gesang mit der beizeiten seltsamen Aussprache tun ihr Übriges.

Trotzdem macht sich in „Victoria“ langsam ein Unterschied zum Debütalbum bemerkbar, der in späteren Songs noch stärker hervortreten soll. Die elektronischen Synthesizer, die bisher für eine atmosphärische, harmonische Grundstimmung gesorgt haben, wirken auf „Flourish//Perish“ durchgängig dunkler, fast schon tragisch. Das Schlagzeug, das auf diesem Album eine dominantere Rolle einnimmt, verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Auf „Ebben“ macht sich das besonders in den instrumentellen Parts bemerkbar. Doch auch Raphaelles Gesang ist facettenreicher und vermittelt Melancholie mit Authentizität.

Offenbar machen Braids mit „Flourish//Perish“ eine Weiterentwicklung durch. Nicht nur ist das Spektrum an Emotionen, die die Musik hervorruft, gewachsen. Durch das präsentere Schlagzeug wirken die Songs strukturierter und geben auch den Vocals eine klar definierte Bühne, die auf „Native Speaker“ bei einigen Songs zu fehlen schien und sie so überladen wirken ließ. Je weiter man sich durch das Album hört, desto offensichtlicher tritt auch eine weitere Entwicklung zutage, die durch das Schlagzeug mit getragen wird. „Flourish//Perish“ ist auffällig elektronisch angehaucht. Beat-Strukturen erinnern stark an Two-Step-typische Arrangements („Together“) und auch sonst schlägt das Album an vielen Stellen eine eher untypische elektronische Richtung ein („Amends“ und „Juniper“). Das erfordert Umstellung, klingt aber eigentlich nicht schlecht.

Eine gelungene Kombination von dem alten Sound mit den neuen elektronischen Elementen bietet der letzte Track „In Kind“. Raphaelle tobt sich gesanglich wie auf dem Vorgänger in allen Tonlagen aus, es herrscht wieder eine quicklebendige Grundstimmung und überall klimpert es. „In Kind“ ist wie eine Explosion auf die man schon das ganze Album gewartet hat, aber deren Erwartung man sich erst bewusst wird, wenn sie sich erfüllt. Und auch der Rest des Albums ist glücklicherweise nicht viel minder befriedigend.

Anspieltipps:

  • December
  • Ebben
  • Amends
  • In Kind

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