Watain - The Wild Hunt - Cover
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Watain The Wild Hunt


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Watain pfeifen auf alle Konventionen und spucken den Fanboys in den Mund.

Wenn die Herren E alias Erik Danielsson (Gesang), P aka Pelle Forsberg (Gitarre) und H (auch bekannt als Hakan Jonsson, Schlagzeug) mal keine Schweinsköpfe für die nächste große Tour präparieren, dann dürfte der Dreier wohl schwer damit beschäftigt sein, wie man die Fans am besten vor den Kopf stoßen kann. Da ausgelutschter Kommerzpop der Marke Bon Jovi zu einfach wäre, haben sich Watain auf „The Wild Hunt“ dazu entschlossen, verstärkt Klargesang einzusetzen. Bevor nun aber das große Geschrei losbricht, verstärkt heißt im Falle des fünften Longplayers der Schweden gerade einmal einen Song, genauer gesagt „They rode on“, mit cleanen Vocals auszustatten, während das restliche Schwarzmetall wie eh und je von Es Raspelzunge veredelt wird. Okay, so ganz stimmt das nicht, denn auch der Titeltrack verwendet über weite Strecken alles andere als tiefes Grunzen und fieses Geschrei. Wo das hinführen soll? Zum intensivsten und atemberaubendsten Black Metal-Album der letzten Jahre!

„Ich spucke auf jene sogenannten Künstler, die sich anpassen, um mehr Menschen anzusprechen. Der Hauptgrund, warum wir all das erreicht haben, ist, weil wir nie unsere ursprüngliche Vision verraten haben - nicht, weil wir vorgegeben haben, zugänglichere Musik zu machen“, erklärt Danielsson im Vorfeld der Veröffentlichung und wenn man „The Wild Hunt“ in seiner Gesamtheit betrachtet, ist der aktuelle Longplayer der Schweden wirklich alles andere als ein Zugeständnis an irgendein spezielles Genre oder einen aktuell grassierenden Trend. Watain sind einfach Watain und wenn dies im Falle von „They rode on“ bedeutet, zu Beginn einer beseelten Hardrock-Ballade à la Deep Purple zu lauschen, die sich immer mehr zu einem „The Unforgiven“ mausert, dann muss man dies schlichtweg akzeptieren. Der Hörer kann die CD deswegen allerdings auch zu Konfetti verarbeiten, darf dann aber nicht böse sein, wenn z.B. Katy Perry auf ihrem neuen Album „Prism“ den gleichen Mist verzapft wie vor drei Jahren.

Auf dem über eine Stunde langen Teufelsritt gibt es aber ohnehin mehr als nur diesen einen, als möglichen Schandfleck zu bezeichnenden Track, denn nach einem bitterbösen Intro, gehüllt in schwarze Dunstschwaden, geht es in der Königsklasse „rasanter Black Metal“ sofort in die Vollen und „De profundis“ jagt die komplette Belegschaft in einem irrwitzigen Tempo auf der Raubsau über mehrere Hürden, sodass es ein Wunder ist, dass während den Aufnahmen niemand zu Schaden gekommen ist. Die darauffolgenden Kompositionen „Black flames march“ und „All that may bleed“ nehmen anschließend Kurs auf atmosphärische Gewässer und vollführen als perfekt dargebotene Stimmungsgebilde in kompromissloser Manier mehrere Rhythmuswechsel, an denen man sich garantiert nicht so schnell satt hören wird. Als Vorbote des zugänglicher ausgelegten Einbruchs mit „They rode on“ legt „The child must die“ mit seinen Anleihen an den ehemaligen Untergrund des geschwärzten Melodic Death Metal (Ceremonial Oath, The Moaning, The Everdawn) neben einem grandiosen Gitarrensolos auch eine dermaßen intensive Vorstellung hin, dass hiermit ohne Zweifel einer der Höhepunkte von „The Wild Hunt“ erklingt.

Unbarmherziges Geprügel mitten in die Magengrube offeriert hingegen „Sleepless evil“ und blickt damit auf die eigenen Anfänge zurück, während „Outlaw“ ziemlich bescheuert mit indianisch anmutenden „Uh“ und „Ah“-Lauten eingeläutet wird, bevor die Hölle losbricht und derbe Blastbeats die Manege betreten und dem Hörer inmitten eines fulminanten Black´n´Roll-Anflugs ordentlich einen vor den Latz knallen. Als kurze Verschnaufpause versteht sich das dunkel-grollende Instrumental „Ignem veni mittere“, bis „Holocaust dawn“ etwas unentschlossen, aber nicht minder eindringlich für den stilgerechten Sprint über die Zielgerade zuständig ist. Kann man bei „The Wild Hunt“ denn überhaupt noch von Black Metal sprechen? Ja, man kann! E, P und H vollführen ihre Frischzellenkur jedoch nicht mit herkömmlichen Mitteln und ziehen lediglich gekonnt das Tempo an oder drosseln es, sondern blicken mit einem feinen Gespür für stilfremde Elemente über den Tellerrand und legen dem Hörer damit bereits ab Minute 1 die Daumenschrauben an. Und jetzt heißt´s wieder ran an die Schweineköpfe! Dieses Hammeralbum wollen wir verdammt noch mal live sehen!

Anspieltipps:

  • Outlaw
  • They Rode On
  • The Child Must Die
  • All That May Bleed
  • Black Flames March

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