The Drowning Men - All Of The Unknown - Cover
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The Drowning Men All Of The Unknown


  • Label: Borstalb/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Herzhafter Folk-Pop, der seine Nähe zum Mainstream glücklicherweise nur andeutet.

TheThe Drowning Men aus Kalifornien wurden im Jahr 2005 gegründet und haben bisher eine EP und ein Album veröffentlicht. Als Support spielten sie Konzerte für Airborne Toxic Event, Alkaline Trio und Flogging Molly. Letztere hatten das Label Borstal Beat Records ins Leben gerufen, auf welchem nun „All Of The Unknown“ erscheint. Frontmann und Songschreiber ist Nato Bardeen (Gesang, Gitarre, Keyboard, Mandoline), der Leonard Cohen und Nick Cave schätzt. Ihm zur Seite stehen James Smith (Gitarre, Gesang), Todd Eisenkerch (Bass, Gesang), Gabe Messer (Keyboard, Gesang) und Schlagzeuger Rory Dolan.

Nach einem Durchlauf glaubt der Hörer, einer Kreuzung aus Of Monsters And Men und Arcade Fire gelauscht zu haben, was ja nicht die schlechteste Assoziation ist. Das Mitreißende und Herzhafte von Of Monsters And Men scheint sich mit dem kunstvoll Hymnischen von Arcade Fire zu vermengen. Dabei entfacht Nato Bardeen eine unbändige Leidenschaft, die jedoch mit der Sangeskunst eines Win Butler nicht vergleichbar ist. Die Rhythmusgruppe zeigt ihre ganze Power, treibt die Songs immer wieder nach vorne und dazu schallen und hallen die Stromgitarren in all ihrer Pracht.

Hin und wieder jubilieren die Chorstimmen, während im Hintergrund mal ein Keyboard, mal ein Piano bunte Figuren malt. Natürlich wird hier wiederholt Folk mit Pop und Rock kombiniert, so wie es auch Mumford & Sons oder oben erwähnte Bands tun, dennoch breiten The Drowning Men ihr eigenes Feld aus. Diese Männer gehen nicht unter, sondern streben meistens die Klangleiter empor, was naturgemäß die Gefahr des Pathos birgt. An einigen Stellen wird befürchtet, dass sie ins allzu U2-mäßige abgleiten, doch sie kriegen immer wieder die Kurve. Die könnten sehr erfolgreich werden, aber in den falschen Produzentenhänden auf die bombastische, überbordende Seite des Mainstream gespült werden. Ein Song wie „Smile“ hat noch genügend Emotion, Struktur und Raffinesse, um sich von der Sorte harmloser Coldplay-Songs abzuheben, doch die Gefahr lauert.

Schön auch die Schlagzeug trippelnden Folk-Pop-Titel wie „A Fool’s Campaign“ oder „Questioning (A Big Ole Sham)“, die noch eine vornehme Zurückhaltung an den Tag legen, folglich Pathos und Bombast in zulässigen Dosen streuen. Die Grenzen zur Überdosis sind jedoch fließend, auch hier leuchten bereits die roten Lampen beim geübten Hörer auf. Auf „I Am The Beggar Man“ schreiten sie bereits auf der Grenzlinie. Dagegen zeigen sie mit „A Long, Long Walk“ und „A Better Place“ eine sanftere Seite auf, die kitschfrei auf der poetischen Seite verbucht werden kann. Ebenso das verspielte, herzenswarme „Fix Me Love“, in das Nato Bardeen all seine Emotion legt, ein Song, der ein wenig an Dexys Midnight Runners zu Zeiten von „Too-Rye-Ay“ erinnert. Dies ist vielleicht das letzte gute Album von The Drowning Men - bevor sie vom Mainstream gefressen werden.

Anspieltipps:

  • Lost In A Lullaby
  • Smile
  • A Fool’s Campaign
  • Fix Me Love

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