TE Morris - And You Were The Hunter - Cover
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TE Morris And You Were The Hunter


  • Label: Function/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
9.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Geheimnisvoll, introvertiert und karg. Die spannende Liedkunst des TE Morris!

TE Morris ist der Frontmann der englischen Post-Rockband Her Name Is Calla und hat in der letzten Zeit auch fleißig als Solokünstler veröffentlicht. Mit „And You Were The Hunter“ legt er sein bislang ambitioniertestes Album vor, ohne dabei sein Lo-Fi- bzw. Indie-Konzept ganz aufzugeben. Dabei hat er zu einem ganz eigenen und vor allem eigenwilligen Sound gefunden, der sich kaum einem Genre zuordnen lässt und somit am besten bei den Singer/Songwritern aufgehoben scheint.

Die zwölf Songs folgen sehr eigenen Formen und Strukturen, wirken beim ersten Durchlauf wie Skizzen, die der Ausformulierung bedürfen. Sie sind verschlossen und karg, wollen den Hörer gar nicht teilhaben lassen, so scheint es anfangs zumindest. Wer wach und neugierig genug ist, dem werden sich diese Stücke nach und nach öffnen und ihre ganze Schönheit preisgeben.

Den introvertierten, im Tempo reduzierten und akustisch gehaltenen Titeln, stehen die lauteren, mit Band eingespielten, gegenüber. Schlagzeug und Gitarren schrubben, schaffen Reibungspunkte, an denen sich Morris mit desperat bis melancholischen Phrasierungen entlanghangelt, um letztlich einen von leise nach laut gespannten Melodiebogen zu finden, wie z.B. in „After The War Ends“, dem vorletzten Song, dem sich die finale traurig-schöne Ballade „Love Can Do All But Raise The Dead“ anschließt.

Auch das Album eröffnende „Bright Spark“ sowie „Memorial Day“ erblühen nach einigen Durchgängen. Aus den spärlich-monotonen Akustikgitarren schält sich Morris‘ Singstimme, die wie ein zerbrechlich dünner Lichtstrahl die Tonleiter entlang leidet. Oft findet sie sich wieder in sauerstoffarmen Höhen, von Trostlosigkeit in Euphorie überschwappend, über ein leeres Tal hinweg an Oasen der Reinheit labend. Dazu zittern die Saiten einer einsamen Violine wie ein geheimnisvoll singender Wind im dichten Blätterwald. Andererseits drängen die Stromgitarren und scheppert das Schlagwerk wie im spannungsgeladenen „Provenance“, das förmlich berstet und von Morris mit Engelsstimme polarisiert wird.

TE Morris wird nicht wirklich greifbar, obwohl sich die (manchmal auch brutale) Poesie der Songs erschließen lässt. Es bleibt ein letztes Geheimnis, das die Spannung immer aufrecht erhält, einen die Ohren spitzen lässt wie auf dem geflüsterten „Cellar Door“, das eine Tür imaginiert, hinter der sich alles und nichts verbergen kann. Letztlich hat Morris ein sentimentales, berührendes und introvertiertes Album erschaffen, das den Hörer magnetisiert.

Anspieltipps:

  • Bright Spark
  • Cellar Door
  • Memorial Day
  • After The War Ends
  • Love Can Do All But Raise The Dead

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