Victor Smolski - Two Orchestral Symphonies: The Heretic Majesty & Passion - Cover
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Victor Smolski Two Orchestral Symphonies: The Heretic Majesty & Passion


  • Label: Drakkar/Sony Music
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Beinahe pünktlich zum Release von „LMO“ veröffentlicht der Rage-Gitarrist seine zwei Solo-Ausflüge erneut und will primär den Klassik-Fan ansprechen.

Der Augenblick könnte kaum besser gewesen sein: Zeitnah zum Release des Mammutprojektes „LMO“ vom Lingua Mortis Orchestra und nach einem vielbeachteten Auftritt auf dem Wacken Open Air 2013, nutzt Victor Smolski die Chance, seine zwei Soloalben als Kompilation neu auf den Markt zu werfen. Der Rage-Gitarrist, Gitarrenzauberer und für das Songwriting des Lingua-Mortis-Materials beinahe im Alleingang Hauptverantwortliche, beweist auf „The Heretic“ (2000) und „Majesty & Passion“ (2004) wie die Fusion von Metal und Klassik funktioniert, geht aber nicht nur ein Mal den einen oder anderen Schritt weiter. Dennoch beantwortet er mehreren Fans direkt die Frage, warum der Sound von „LMO“ so organisch ist. Nicht nur haben es Rage schon anno 1996 geschafft, mit ihrem Studioalbum „Lingua Mortis“ aus dem Genre auszubrechen. Erst durch den Zugang Smolskis im Jahre 1999 bekam die Band einen weiteren Input, der schließlich für den letzten Schliff sorgte.

Und dieser Schliff besteht aus der Kombination von Metal mit Klassik. Oder Klassik mit Metal? Auf „Majesty & Passion“ verneigt sich Smolski vor Johann Sebastian Bach. Der Multi-Instrumentalist beweist eine beinahe einzigartige Liebe zur Klassik und interpretiert Bach hauptsächlich auf der Gitarre. Damit betritt er mühelos die Liga von Virtuosen wie Yngwie Malmsteen oder Luca Turilli, verwandelt seine Gitarre zu einem fast vollwertigen Orchester-Ersatz und findet seine Zielgruppe definitiv in den Reihen der Klassik-Hörer und weniger in denen der Headbanger und Rage-Fans. „The Heretic“ ist in der Retrospektive schließlich abermals der absolute Platzhirsch. Ein Jahr nachdem Smolski Rage beitrat, verwirrte er die Fans mit einem Album, welches nicht mal in Ansätzen an die Musik seiner Hauptband erinnern konnte. Auch heute fasziniert „The Heretic“ oder schreckt gnadenlos ab. Vorgetragene Texte, die nicht selten einen Hörspiel-Charakter erreichen, behandeln das Thema der Hexenverfolgung - ein Konzept, welches der Gitarrist noch öfter aufgreifen würde. Die Passagen des weißrussischen Symphonieorchesters stehen dabei meist für sich allein und werden von losgelösten Shred-Passagen Victor Smolskis unterbrochen. Gerade dadurch entsteht eine experimentelle, stellenweise sogar avantgardistische Ästhetik. Lediglich der Titeltrack ist „fassbar“ und zeugt von dem Talent des Protagonisten, Metal mit Klassik zu verbinden.

Das restliche Material hat allerdings mit Metal nur entfernt zu tun. Hörer, die „The Heretic“ damals schon nicht mochten, werden es heute wahrscheinlich auch nicht tun. Umgekehrt ist es aber ebenso. Als Experiment weiß Smolskis erstes Soloalbum auf jeden Fall zu überzeugen und belohnt den Hörer, wenn er Geduld und Offenheit mitbringt. Wer Victor Smolski durch Rage kennen gelernt hat, muss generell all seine Erwartungshaltungen ablegen. Der Gitarrist hat nie versucht, eine Alternative für Fans einzuspielen, sondern geht auf seinen zwei Alben einen individuellen, einen eigenen Weg. Damit hat er Metaller verschreckt, verschreckt sie derzeit und wird dies auch künftig tun. Wer sich damit anfreunden kann, dass der namensgebende Musiker nicht den Moshpit anheizen möchte, sondern seine Musik als Herzensangelegenheit anbietet, sollte zumindest Probe hören.

Anspieltipps:

  • The Testamony
  • The Heretic
  • Forlane
  • Menuet
  • Sarabande
  • Day Without Love

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