Herr Von Grau - Freiflug - Cover
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Herr Von Grau Freiflug


  • Label: Grautöne Records
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn es so etwas wie den Mittelwert des Rap gibt, dann sind Herr von Grau verdammt nah dran.

Herr von Grau sind ein Duo aus Niedersachsen und machen chilligen Rap. Keine Musik wegen der man an die Decke gehen muss, sondern Alltagsthematiken, die auch gerne den Abstecher Richtung milden Drogenkonsum und Porno-Humor („Robocock“) machen, sich vor allzu großen Niveaugefällen jedoch schützen. Genau die gleiche Devise gilt auch für die Texte und deren Darbietung. Hier und da hakt es und der Flow will manchmal nicht auf direktem Wege vom Start ins Ziel, kommt letztendlich aber immer an. Und auch das ist eine Leistung.

Benny und Kraatz vermarkten ihre Musik über ihr eigenes Label Grautöne und erzählen auf ihrer neuen Platte wieder von Gott und der Welt oder viel eher von Kohldampf nach ein wenig Konsum („Ziehn Digger“), dem Erwachsenwerden in Form von anständigen Einkaufstouren („Brot, Obst und Klopapier“) und natürlich der Schlechtigkeit der Welt („Gedichte und Genozide“, „Er Läuft“, „Wart Ma“, „Übernehmen Sie“ und selbst in der Friedensaufforderung „Lieb“). Dabei zeichnen Herr von Grau ihrem Namen entsprechende Skizzen, die nicht viel Platz für positive Bilder von der Gesellschaft übrig lassen.

Soundcollagen („Gassi“) und die Porno-Titelaufzählung „Robocock“ wirken an dieser Stelle befremdlich und allein „Ziehn Digger“ passt in das Bild der desillusionierten Künstler der einfachen, aber klaren Worte, der dem Alltag mit Hilfe von Substanzen entfliehen müssen. Leider kann sich das Duo nicht immer sehr üblichen Reimen und Sprichwörtern entziehen, und erweckt somit wiederholt den Anschein, dass man diese Zeilen alle schon mal gehört hat. Genauso oft schafft „Freiflug“ es allerdings auch, mit junger, glasklarer Sprachnutzung und einfachen Beats für Glaubwürdigkeit zu sorgen.

Herr Von Grau werden niemanden zum Rap bekehren, der nicht schon vorher eine Schwäche dafür hatte. Die vom Album vermittelte relaxte Stimmung allein ist keine Garantie dafür. Das Duo besticht auch nicht durch besonders viel Swag oder eben gehobene Wortwahl. Er ist das Mittelmaß, das niemandem wehtun sollte. Die großen Emotionen bleiben aus und stattdessen schüttelt man eher kurz den Kopf oder grinst schelmisch in sich hinein. Für einen seichten und rhythmischen Soundausflug ist „Freiflug“ damit genau das richtige. Für mehr aber auch nicht.

Anspieltipps:

  • Dankbar
  • Gedichte und Genozide
  • Brot, Obst und Klopapier

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