Chimaira - Crown Of Phantoms - Cover
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Chimaira Crown Of Phantoms


  • Label: Long Branch Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das ehemalige Groove Metal-Aushängeschild hat mit schlimmen Identitätsproblemen zu kämpfen.

Bevor die Hälfte der Chimaira-Belegschaft bei der floridianischen Todeswalze Six Feet Under Unterschlupf gesucht und auf Undead frischen Wind in das ermüdende Gewölle von Front-Ork Chris Barnes gebracht hat, entwickelte sich die in Cleveland, Ohio, ansässige Truppe mit jedem Album weiter und brachte stets ausreichend Ideen hervor, um ihren groovelastigen Sound alle zwei bis drei Jahre zu erneuern ohne die Trademarks über Bord zu werfen. Mit dem von den Fans zwiespältig aufgenommenen Interimsalbum „The Age Of Hell“ (08/2011), welches bereits einen Vorgeschmack auf das neue Line-up, bestehend aus Gründungsmitglied Mark Hunter (Gesang) sowie den in den Jahren 2011 und 2012 hinzugekommenen Emil Werstler (Gitarre), Matt Szlachta (Gitarre), Jeremy Creamer (Bass), Sean Zatorsky (Keyboard, Samples) und Austin D´Amond (Schlagzeug), gab, traten Chimaira erstmals auf der Stelle und servierten - abgesehen vom Kinnladenspreizer „Born in blood“ (mit einem Gastauftritt von Whitechapels Phil Bozeman) - Altbekanntes, das kurz in der Mikrowelle aufgewärmt wurde, aber durchaus mundete.

Einem ähnlichen Konzept bedient sich nun der Nachfolger „Crown Of Phantoms“, der mit seinem ägyptisch anmutenden Cover die Nähe zur gnadenlos-genialen Formation Nile sucht, deren technische Versiertheit allerdings nicht im Ansatz erreicht. Und überhaupt: Nordafrikanische Mythologie als Konzept für eine Platte von Arnold & Co.? Hier stimmt doch was nicht! Ja, Chimaira haben mit schlimmen Identitätsproblemen zu kämpfen und wer meint, die ewig gleichen Riffbretter und Hackschnitzel auf und in die Fresse zu bekommen, mache Spaß („The machine“, „No mercy“, „All that´s left is blood“), der soll meinetwegen nebenher noch Daniele Negroni hören, während im Fernsehen „Die kleinen Einsteins“ laufen und sich dabei in Fötusstellung auf den Boden legen und hin und her wippen. Für den langjährigen Fan ist nämlich schon allein die ziel- und ideenlose Vorstellung auf „Crown Of Phantoms“ ein mächtiger Tritt in den Arsch.

Klar, Neuzugang und Gitarrist Werstler weiß durch seine Mitgliedschaft bei der Progressive Avantgarde Techno Pop Whatever-Metalband Daath, wie sich ein dickes Riff anhören muss, um direkt in die Synapsen zu pfeffern („Plastic wonderland“), doch die meiste Zeit ist er damit beschäftigt, gegen den Strom zu schwimmen und die siebte Langrille der Clevelander noch unzugänglicher zu gestalten, als sie ohnehin schon ist. Verirrt sich dennoch einmal ein gelungener Groove aus grauer Chimaira-Vorzeit auf die Scheibe, dann wird dieser entweder konsequent totgenudelt („I despise“) oder entpuppt sich lediglich als leicht abgewandelte Kopie eines bereits bekannten Tracks („Spineless“). Ein paar Kohlen aus dem lichterloh brennenden Feuer holt der Sechser zwar mit der facettenreichen Knüppelorgie „Kings of the shadow world“ und auch „Love soaked death“ hat aufgrund seiner stark rhythmusbetonten Anlage, sowie eines unvorhergesehenen, düsteren Keyboardsamples eine packende Atmosphäre zu bieten, im Großen und Ganzen ist „Crown Of Phantoms“ aber nichts anderes als eine unterdurchschnittliche Vorstellung der ehemaligen Könige des Groove Metals.

Anspieltipps:

  • No Mercy
  • Plastic Wonderland
  • Kings Of The Shadow World

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