Ed Kowalczyk - The Flood And The Mercy - Cover
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Ed Kowalczyk The Flood And The Mercy


  • Label: V2 Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ed Kowalczyk zementiert den Eindruck, dass er R.E.M.-B-Seiten fabriziert.

Man nehme die letzten und schwächeren Outputs von R.E.M., füge hier und da eine Prise Alternative-Rock der Jahrtausendwende hinzu und fertig ist die musikalische Mission des Ed Kowalczyk, der wohl bis zum Ende seiner Karriere als der Lead-Sänger von Live bekannt sein wird. Warum das so ist, liegt bisher auf der Hand. Weder sein Solo-Debüt „Alive“ noch die neue Scheibe „The Flood And The Mercy“ haben die Kraft, auf eigenen Beinen zu stehen. Dass die Erfolge des Debüt-Albums stark vom Live-Ruhm abhängig sind, wird niemand ernsthaft verneinen können.

Da hilft es auch nicht, dass R.E.M.-Gitarrist Peter Buck zu mehr als der Hälfte des Albums beisteuert. Viel mehr verstärkt dies den Eindruck von inzwischen aus der Mode gekommener Musik, die beide Musiker bereits gemacht haben und sich selbst nun nur mäßig gut kopieren. Ist das zu hart? Das soll jeder selbst beurteilen. Was für eine Art Rocksong versuchen „The One“ und „Seven“ zu sein? Kowalczyk konzentriert sich auf seine emotionale Stimme, die er mit Stadionmusik und merkwürdig zahmen Gitarren erdrückt. „The One“ ist ganz klar ein Rocksong der alten Schule, doch die Gitarren scheinen nicht zu wissen, ob sie wirklich kraftvoll sein oder ja niemanden verschrecken sollen. So beginnt das Album schon mit angezogener Handbremse und dem Gefühl, dass man all die Songs schon kennt.

Selbst wenn die Lieder versuchen, eine eigene Identität aufzubauen, wie es „Angels On A Razor“ versucht, erklingen die austauschbaren Gitarren im Chorus und vernichten mit Pop-Rock-Attitüde der ganz vorsichtigen Natur die Illusion eines ehrlichen Stücks mit einer echten Botschaft. Zusammen mit weiterhin schlichtweg nicht die passenden Emotionen herüber bringenden Songs wie dem gewollt, aber nur bedingt gekonnt rockigen „Parasite“ verstärkt sich der Eindruck, dass Kowalczyk einfach nicht über mittelmäßiges Einerlei hinweg kommt. Es ist erschreckend, dass man die Uhr nach den immer gleich klingenden Gitarren im Refrain stellen kann. Da hilft auch nicht die tatsächlich herb geratene Ausnahme „Take Me Back“.

Man möchte gutmütig sagen, dass Ed Kowalczyk sein Potenzial einfach nicht abrufen kann, aber bei einer so konsequenten Umsetzung der eigenen Ideen scheint der hier vorgebrachte Stil wohl einfach das Beste zu sein, was noch in dem Musiker steckt. Es reicht nur noch für kleine Momente wie die Bridge in „The Watchman's Lament“ und die Strophen von „Angels On A Razor“. Kowalczyks Musik ist nur noch ein Schatten dessen, was den Rock vor zwei Jahrzehnten groß gemacht hat.

Das wird auch in der einzigen, durchweg gelungenen Nummer, der Ballade „Cornerstone“ deutlich. Zu Pianoklängen und Chören wird hier eine absolut typische Hymne vorgetragen. Aber zur positiven Überraschung der Hörerohren handelt es sich tatsächlich um eine Melodie, die so gekonnt, wenn auch nicht sehr einfallsreich präsentiert wird, dass man den Song auch noch Tage später im Kopf hat. Das ist die Musik, die Live groß gemacht hat, die Kowalczyk groß gemacht hat. Da jedoch weder ein Album mit einem Dutzend dieser Hymnen zieht und es auch nicht möglich zu sein scheint, dieses Können auf Rock zu übertragen, müssen sich auch die Letzten von der Hoffnung verabschieden, dass Ed Kowalczyk solo zu großer Form auflaufen wird.

Anspieltipps:

  • Cornerstone
  • The Watchman's Lament
  • Take Me Back

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