Lalu - Atomic Ark - Cover
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Lalu Atomic Ark


  • Label: Sensory Records/ALIVE
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die nukleare Arche schippert durch Sturmfluten und glatte See, allerdings mit einem Navigator, der nicht weiß, wo er hin will.

Dass ein Musiker neben seiner Hauptband immer wieder etwas anderes am Laufen hat, ist nichts Ungewöhnliches. Im Falle des Franzosen Vivien Lalu darf man aber voll und ganz von einem Vollblut- und Berufsmusiker sprechen. Unzählige Gastauftritte in Bands wie Mind's Eye, Shadow Gallery oder Tomorrow's Eve, die eigene Band Shadrane oder kompositorische Arbeit für Film und Fernsehen sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Zum Platzhirsch wird Lalu dann, wenn sich Nintendo-3DS-Titel wie „Sophies Freunde - Reit-Champion 3D“ oder „Cocoto - Alien Brickbreaker“ im Portfolio finden lassen. Hat hier der schnöde Mammon die Musik mitgeschrieben? Wie dem auch sei: Auch im Hause Lalu muss Kohle reinkommen - das kann man ihm nicht verübeln - und „Mädchenmusik“ findet sich auf dem zweiten Soloalbum „Atomic Ark“ garantiert nicht. Der Keyboarder hat sich im Rahmen seines Solo-Projektes Gastmusiker geladen, die sich ohne Frage sehen und hören lassen können. Über Jahre gepflegte Kontakte zu Szenegrößen machen es möglich.

Martin LeMar (Gesang, Mekong Delta), Mike LePond (Bass, Symphony X), Jens Johansson (zu Gast am Keyboard, Stratovarius), Simone Mularoni (Gitarre, DGM), Virgil Donati (Schlagzeug, Planet X) und letztendlich Namensgeber, Hauptsongwriter und Keyboarder Vivien Lalu selbst, lesen sich schon mal ganz vorzüglich und halten ihr Versprechen ein. Was die Arbeit an Mikro und Instrumenten betrifft, ist „Atomic Ark“ wie bereits erwartet ganz weit vorne und lässt das Vorgängeralbum „Oniric Metal“ (2005) um Meilen hinter sich. Auch musikalisch lässt sich „Atomic Ark“ nur in Ansätzen mit dem Solo-Debüt vergleichen. Vivien Lalu pflügt beinahe das komplette Prog-Metal-Beet um und präsentiert seine zehn neuen Kompositionen abwechslungsreich und unterschiedlich. Dabei verliert er allerdings das eine oder andere Mal den berühmten roten Faden. „Greed“, „Bast“ und das krachende „War On Animals“ sind waschechter Prog Metal - vielschichtig, komplex, dazu meist melodisch, aber auch ein wenig bemüht. Eine Band wie beispielsweise Threshold schafft es mit Leichtigkeit, selbst die verschachteltsten Strukturen eingängig und auf Anhieb zündend zu präsentieren. Lalu versucht das gleiche, verirrt sich bei dem Versuch allerdings. Besser klappt es da schon, wenn ohne Kompromisse ein ruhiger, sphärischer, atmosphärischer Progressive Rock mit besonderem Gewicht auf das Keyboard versucht wird: „Deep Blue“, „Momento“ und das viel zu kurz geratene „Mirror Prison“ sind spannend und clever gemacht.

„Follow The Line“ wirkt wie eine „Tech-Demo“. Hier muss sich der Hörer selbst fragen, wie er das Gefrickel finden soll. Eine Daseinsberechtigung hat sicherlich auch ein solcher Song auf „Atomic Ark“; allerdings ist er auch klar dafür verantwortlich, dass das Album letzten Endes nicht gerade wie aus einem Guss wirkt. „Slaughtered“ schließlich ist der lang erwartete Verweis auf Symphony X. Die Komposition könnte tatsächlich ein Up-Tempo-Song von den Alben „Twilight In Olympus“ (1998) oder „The Divine Wings Of Tragedy“ (1997) sein. Songs wie „Out Of The Ashes“, „The Witching Hour“ und „Smoke And Mirrors“ lassen grüßen. Da jede zweite Band Symphony X kopiert oder zumindest Tribut zollt, allerdings eher Bezug auf die ausufernde, orchestrale, bombastische Auslegung nimmt, ist es beinahe schon innovativ, die „hibbelige“, wenn man so will, leicht chaotische Seite der US-Progger zu adaptieren. „Slaughtered“ ist nicht neu, aber souverän und spaßig gemacht. Der Song mündet dann fast direkt in den Rausschmeißer „Revelations“. Der Longtrack kratzt an der magischen 20-Minuten-Grenze und ist der klare Höhepunkt des Albums. Hier hätte sich Lalu schnell verzetteln können. Er bringt seinen atomaren Kahn aber klar auf Kurs und zaubert eine wunderbar abwechslungsreiche Nummer aus dem Hut hervor. Besonders die Arbeit an Keyboard und Piano ist absolut gelungen und ohne Frage die überzeugendste des Albums.

Insgesamt leidet Vivien Lalus zweites Soloalbum dann doch unter einer erdrückenden Heterogenität und befindet sich irgendwo zwischen hoher Kunst, Inspirationslosigkeit und Schema F. Während so mancher Song erstklassig komponiert wurde und für ein Gros der Fans von progressivem Rock und Metal ein gelungenes Fressen darstellt, schockt der vielleicht folgende kaum und entlockt den erprobten Freunden des Genres gerade mal ein Schulterzucken. „Atomic Ark“ ist voller Licht und Schatten, wahrhaften Großtaten und Sounds, die wir alle schon mal gehört haben. Vivien Lalu macht genau so viel richtig wie auch falsch. Das ist schade, denn gerade in technischer Hinsicht sind Lalu und seine Gäste eine absolute Ausnahme - selbst für die beinahe obligatorische Qualität der Szene.

Anspieltipps:

  • Tatonka
  • Mirror Prison
  • Slaughtered
  • Revelations

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