Hallig - 13 Keys To Lunacy - Cover
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Hallig 13 Keys To Lunacy


  • Label: Folter Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Wattenmeer des Black Metals – unbändige Brutalität und schwelgerische Melancholie stecken im Schlick.

Unberührte und unbarmherzige Natur: Du bist die der Friesen. Das wusste auch schon der als Halligdichter bekannt gewordene Wilhelm Lobsien, der gleich mehrere Romane auf den nordfriesischen Halligen spielen lies. Poetischer Realismus ist nichts, was man unbedingt mit Black Metal in Verbindung bringen kann - auch wenn das Genre an und für sich eigentlich keine Grenzen kennt. Tatsächlich kommt die Band Hallig nicht vom Wattenmeer, sondern aus Nordrhein-Westfalen und hat auch mit Heimatdichtung nicht zwangsläufig etwas am Hut. Bezieht man sich aber auf die unberührte und unbarmherzige Natur, kann man Hallig schon leichter klassifizieren. Ihren Erstling „13 Keys To Lunacy“ gestalten L. (Gesang), M. (Bass), J.P. (Schlagzeug), A. und F. (Gitarre) sowohl mit schwelgerischer Schönheit als auch mit aufbrausender Wut.

„13 Keys To Lunacy“ lebt von dem kontrastreichen Einsatz extremer Härte und hypnotischer, pulsierender Melancholie. Das Album ist ein drohendes Unheil, die Furcht vor jenem und der unmittelbare Eintritt. Ein Doublebass-Gewitter bedeckt unterkühlte, aber auch erhabene Melodien, die stets für einen mitschwingenden Bombast im Hintergrund sorgen. Hauptsächlich präsentiert man seine Musik aber recht zackig und knüppelhart. Vereinzelte Blicke in die Ferne in Songs wie „Nichts als Stille“ und ganz besonders „13 Keys“ werden nuanciert und sorgen für einen beachtlichen Grad an Abwechslung. Der oftmals gezielt eingesetzten Monotonie des Genres wird so geschickt ein Schnippchen geschlagen und würzt die von Anfang bis Ende gebotene Brachialität mit beinahe schwelgerischen Passagen. Hallig erinnern dann stark an die Franzosen Alcest, die ihre ungewöhnliche Interpretation des Black Metals jüngst mit ihrem „Les Voyages de l'Âme“ perfektioniert haben. Dennoch bleiben sie dem Black Metal im Gegensatz zu Alcest stets treu und deuten eventuelle Ausflüge in Shoegaze oder Neofolk lediglich an. Kein Wunder: Die Growls von Frontmann L. sind alles andere als von schlechten Eltern, nehmen eine weitere Dominanz ein und lotsen den Hörer Gift und Galle spuckend durch das Album. In den Kompositionen „If I Am The Storm“ und „Reinvigoration“ singt L. schließlich clean und erinnert mit seinem tiefen Organ an diverse Vokalisten des Dark- oder Gothic-Metals. Die Auflockerung gelingt ohne Frage, dennoch liegt ihm die extreme Schiene weitaus besser.

Sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch wird gesungen. Qualitative Unterschiede gibt es nicht und so bleibt dies Geschmackssache. Ein echter Trumpf im Ärmel ist dagegen die gelungene Produktion. Auch wenn besonders der Gesang sowie der Gitarren- und Schlagzeugsound im Vordergrund stehen, geht nicht viel verloren. Das ist gut, denn Hallig wissen mit vielen kleinen Details zu überzeugen. Somit schaffen sie den Spagat zwischen der generischen Rauheit und einem Mindestmaß an „Sauberkeit“ - das schafft auch nicht jeder. Generell ist „13 Keys To Lunacy“ ein empfehlenswertes Album geworden, das schon jetzt Interesse weckt, wie es mit der Band weiter gehen wird. Hallig setzen eine erste Duftmarke und suchen sich definitiv ihre Nische. Da ist sicherlich noch viel Luft nach oben, aber diese Debütanten stimmen den Fan von melancholischem und trotzdem beinhartem Black Metal zuversichtlich.

Anspieltipps:

  • If I Am The Storm
  • Reinvigoration
  • Nichts als Stille
  • 13 Keys

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