SpaceBoyz - Here We Come - Cover
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SpaceBoyz Here We Come


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Grandiose Rap-Perfomances gehen in einem unnötigen Plastik-Sound unter und stehen stellvertretend für Ansätze, die nicht zu Ende gedacht wurden.

Wüsste man es nicht besser, man glaubte, die SpaceBoyz kämen aus den USA. Tatsächlich aber stammen Jokah und Myloo aus Hamburg und schlagen dem D-Rap gekonnt ein Schnippchen. Die beiden Jungs haben eine bewegte musikalische Vergangenheit. Sie entwickeln ihre eigenen Choreographien, besuchen Workshops und bauten ein Netzwerk aus Tänzern auf. Als DJ S.T.A.T.I.C. von den Vibekingz auf sie aufmerksam wird, entdecken Jokah und Myloo schließlich den Rap für sich. Hier beginnt die Geschichte der SpaceBoyz - prestigeträchtige Auftritte im Vorprogramm von Wiz Khalifa, Big Sean, Dante Thomas oder Kid Ink sind nur die Spitze des Eisberges. Nach einer eigenen Clubtour hauen die SpaceBoyz nun ihren von Vibekingz produzierten Erstling auf dem Markt. „Here We Come“ heißt es passenderweise und soll die Hamburger einem breiteren Publikum näher bringen.

Das größte Plus auf dem ersten Album: Die Spacejungens Jokah und Myloo haben unendlich viel Bock auf ihre Musik und wissen, wie man den Hörer mit der eigenen Euphorie anzustecken hat. Songs wie der Opener und Titeltrack, „Twerk It“ (mit Maliq), ein überaus interessanter Ausflug in Lounge-Gefilde („I Like The Way“) und die schlichtweg großartigen, energiegeladenen und abgefahrenen „Picture That“ und „Touch The Sky“ (feat. TQ und Static) sprechen klar für das Duo - nicht nur sprudeln die SpaceBoyz gerade so vor Spielfreude, auch er Flow von Jokah und Myloo ist nicht von schlechten Eltern und rückt die Protagonisten immer in den Mittelpunkt, wenn sie loslegen dürfen. Ihr Debütalbum „Here We Come“ hätte ein echtes Brett werden können, wenn die SpaceBoyz hauptsächlich auf ihre eigenen Skills gesetzt und nicht wirklich in fast jeden ihrer Tracks einen Feature eingebaut hätten. Oftmals muss sich der Hörer durch einen mal besseren, mal schlechteren Wulst aus unspektakulärem und leicht überdatiertem Elektro- und/oder Dancesound quälen, bis Jokah und Myloo mit ihren Rap-Passagen beinahe eine Erlösung bringen. Selbst „London Girl“, neben „Picture That“ der einzige Track, der keine explizite Feature-Erwähnung erfahren hat, dümpelt mit Samples von weiblichem Gesang vor sich hin. Der Tiefpunkt ist in dem Song-Drilling „Up Against The Wall“, „Turn It Up“ und „I Wanna Dance“ erreicht. Hier verseuchen Jokah und Myloo im Grunde gute Ansätze mit Plastik-Dance der übelsten Sorte. Super-RTL-Ästhetik, Auto-Tune-Verschlimmbesserungen, Lalala-Refrains und Lyrics, die so naiv sind, dass es beinahe dreist ist, lassen vergessen, dass man es auf „Here We Come“ mit eigentlich begnadeten Rappern zu tun hat.

Generell scheint es so, als würde weiblicher Gesang grundsätzlich auf Dancefloor-Hupfdohlen-Niveau reduziert. Gerade die in „I Wanna Dance“ gefeaturete Nancy Stash wird total unter ihrem Wert verkauft. Hätten das die Boyz denn wirklich nötig gehabt? So wird „Here We Come“ zu einem Debütalbum mit einem recht ausgeglichenen Verhältnis von Licht und Schatten. Die Performance der beiden SpaceBoyz ist ohne Frage absolut erhaben - gerade das ist deshalb ärgerlich, da sie als eigentliche Stars des Albums viel zu oft viel zu kurz kommen. Wenn sich ihr Rap im Hintergrund des eigentlichen Hintergrund-Gesangs (die erwähnten weiblichen Features) abspielt, ist die Bezeichnung suboptimal noch leicht untertrieben. Erst wenn das Duo sein Zepter ergreift, nimmt das Album richtig Fahrt auf und zeugt vom großen Talent Jokahs und Myloos. Für den Nachfolger von „Here We Come“ wären also mehr SpaceBoyz und weniger Features angebracht und von absoluter Wichtigkeit. All jene, die die beiden feiern, hätten sich das redlich verdient. Die SpaceBoyz selbst aber auch! Was bleibt sind großartige Ansätze, die unbedingt ausgebaut werden sollten. Denn auch, wenn noch viel Luft nach oben bleibt, darf man von den SpaceBoyz noch einiges erwarten.

Anspieltipps:

  • Here We Come
  • Picture That
  • Twerk It
  • Touch The Sky
  • I Like The Way

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