Babyshambles - Sequel To The Prequel - Cover
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Babyshambles Sequel To The Prequel


  • Label: Parlophone/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht irgendeine Comeback-Platte, sondern ein deutliches Lebenszeichen mit Nachwirkung.

Pete Doherty, für die einen der Retter, für die anderen der Untergang der britischen Rockmusik, hat mit seinen Babyshambles in Paris ein neues Album aufgenommen. Sechs Jahre sind seit „Shotter's Nation“ vergangen, dem etwas zu glatt gebügelten Nachfolger des chaotisch-genialen Debüts „Down In Albion“ (2005). In diesen sechs Jahren hat Pete Doherty ein ruhiges, aber insgesamt ordentliches Soloalbum veröffentlicht („Grace/Wastelands“), ist - meist nur mit seiner Akustikgitarre und zwei Tänzerinnen - auf Tour gegangen und hat sich mit mäßigem Erfolg als Schauspieler versucht. Ach ja, und da war ja auch noch die Sache mit seiner berühmten Ex-Band, The Libertines: Die haben sich 2010 für ein paar wenige, hoch dotierte Konzerte wieder zusammengefunden und nochmal kurz den Zauber versprüht, der sie während ihrer Hochphase zu Beginn dieses Jahrtausends umgab.

Mit „Sequel To The Prequel“ erscheint nun ein Album, das mal wieder dringend nötig war - vor allem, um den Fans etwas zurückzugeben, die sich in den vergangenen vier Jahren Dohertys Solotour aus Mangel an Alternativen immer wieder angeschaut haben. Poet hin oder her: Jetzt gibt es wieder die volle Ladung Krach, E-Gitarren, Hingabe, Babyshambles! Sinnbildlich für diese wiedererlernte Rolle des ewig romantischen, durchgedrehten Rockstars mit Matrosenshirt und Schirmmütze beginnt auch die neue Platte mit einer wüsten Zwei-Minuten-Bombe, einem deutlichen Lebenszeichen. „I Am A Fireman“, nölt Pete Doherty mit bestem jamaikanischen „a“ ins Mikro, während Mick Whitnall, Drew McConnell und Danny Goffey (Ex-Supergrass) hinter ihm losrumpeln wie schon lange nicht mehr.

Die Babyshambles sind zurück und sie positionieren sich dabei mit „Sequel To The Prequel“ exakt zwischen ihren ersten beiden Alben, zwischen Chaos und Ordnung - jedoch nicht, ohne eine Brise von den Solopfaden ihres Masterminds herüberwehen zu lassen. So lehnt sich der Titeltrack in seiner beschwingten Art etwas an Dohertys „Sweet By And By“ an, wohingegen das grandiose „Picture Me In A Hospital“ genauso gut auf „Down In Albion“ seinen gerechten Platz gefunden hätte. Aber das mit dem richtigen Moment für eine Veröffentlichung ist bei den Babyshambles ja eh so eine Sache: Einige der neuen Songs sind schon von Demo- oder Live-Aufnahmen bekannt und finden sich nun leicht verändert und aufgefrischt im Licht der Öffentlichkeit wieder. Das vom The Velvet Underground-Klassiker „Sweet Jane“ beeindruckte „Farmer‘s Daughter“, der Titel mit dem besten Doherty-Refrain seit „Fuck Forever“, hieß einst in Fankreisen „Sunlight And Snow“, das sonnig dahin rockende „Maybelline“ dagegen war schon immer unter diesem Namen bekannt, kommt jetzt allerdings zurückhaltender und weniger euphorisch daher, als es einst auf zahlreichen Konzerten präsentiert wurde.

Aus dem erstmals im Jahr 2012 performten „Cell Ceiling Blues“ entwickelte sich im Laufe der Zeit die Single „Nothing Comes To Nothing“ - eine an The Cure erinnernde und für Babyshambles-Verhältnisse recht radiotaugliche Nummer, die infolgedessen zu einer leichten Unsicherheit bei den langjährigen Doherty-Fans führte: Klingt das nicht alles etwas zu seicht und zu lieb? Was ist aus der kaputten Schönheit geworden, die Babyshambles-Aufnahmen ursprünglich auszeichnete? Diese Schiene, wie sie einst mit „Black Boy Lane“ oder „Do You Know Me“ in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts gefahren wurde, scheint auf „Sequel To The Prequel“ tatsächlich nur noch in gewissen Momenten durch. Das Ska-Stück „Dr. No“ ist so ein Song, in dem Pete Doherty mal den Doherty raushängen lässt, das wuchtig-schwere „Minefield“ zehrt auch aus dieser Zeit, „Fireman“ sowieso, darüber hinaus klingen die Babyshambles von heute wie die Babyshambles von heute: Immer noch einzigartig und, ja, unverzichtbar.

Anspieltipps:

  • Farmer‘s Daughter
  • Picture Me In A Hospital
  • Nothing Comes To Nothing
  • Fireman
  • Minefield

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