Kreator - Dying Alive - Cover
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Kreator Dying Alive


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 120 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Violence is conquering the Ruhrpott.

Kreator sind eine Live-Band. Schluss, aus, basta! Natürlich sind nicht wenige ihrer Studioalben richtig klasse, viele Songs funktionieren vor einem Publikum aber nochmal eine ganze Ecke anders und haben eine regelrecht neue Dynamik. Ein Gros der Fans ist sich einig: Wer Kreator richtig erleben will, muss sie live sehen. Mille (Gesang, Gitarre), Speesy (Bass), Ventor (Schlagzeug) und Sami (Gitarre) sind sich dessen voll und ganz bewusst und hauen deshalb zehn Jahre nach „Live Kreation” endlich wieder ein vollwertiges, aktuelles Live-Dokument heraus, um allen Hörern, die nicht auf der „Phantom Antichrist”-Tour dabei waren, zumindest im Nachhinein ein wenig Atmosphäre zu schenken. Das am 22. Dezember 2012 in der Turbinenhalle Oberhausen aufgenommene „Dying Alive“ holt den verpatzten Weltuntergang vom Vortag nach. Mille und seine Jungens geben sich alle Mühe, ihren Fans die versprochene Apokalypse zu bieten. Und es klappt: „Dying Alive“ fängt die unbändige Power Kreators auf erstaunliche Art und Weise ein. Andere Bands dürfen sich da gut und gerne ein Beispiel nehmen.

Die Songauswahl von „Dying Alive“ ist natürlich voll und ganz auf das im Jahre 2012 erschienene „Phantom Antichrist“ zugeschnitten. Tatsächlich funktionieren die Kompositionen des Longplayers genauso gut wie klassisches Material und werden von der Meute mit offenen Armen empfangen. Die neuen Songs haben definitiv einen Platz im Herzen der Fans gefunden und beweisen, welche Langlebigkeit „Phantom Antichrist“ besitzt. Mit den Hymnen „From Flood Into Fire”, „United In Hate” sowie dem im Livegewand zusätzlich wuchtigen „Civilization Collapse“ haben Kreator und seine Mannschaft eine intelligente Wahl getroffen. Wenn Mille schließlich den Moshpit-Anheizer „Death To The World” mit der Bitte um mehr Gewalt und mehr Brutalität im Moshpit eröffnet, möchte man ihn am liebsten umarmen. Der gute Herr kennt eben seine Pappenheimer. Übrigens: Die Frage, warum es nicht noch andere Songs des Albums in die Setlist geschafft haben, soll an dieser Stelle einfach mal so im Raum stehen bleiben. Lumpen lässt man sich so oder so nicht. Die Kreator-Dauerlutscher „Pleasure To Kill“ sowie „Flag Of Hate/Tormentor“ funktionieren grundsätzlich ganz vorzüglich, die immer gern gehörten Fanlieblinge „Voices Of The Dead“, „Extreme Aggression“ und die stets Laune garantierenden „People Of The Lie“ und „Phobia“ ebenso. Ohne diese dürften Kreator am Ende des Abends die Bühne auch gar nicht verlassen. Das weiß jedes Kind und so rocken sie die Bude ab, bis sie uns auf den Schädel fällt.

Nebenbei packen Kreator gleich sechs Bonus-Tracks oben drauf. „The Pestilence“ mausert sich zum waschechten Schlachtfest, beim grandiosen „War Curse“ vom 2009er Album „Hordes Of Chaos“ fragt sich der Fan allerdings fast schon, warum die Nummer es nicht in die Setlist des Hauptkonzertes geschafft hat. „Amok Run“ vom gleichen Album bleibt dann doch Geschmackssache - die mit balladeskem Intro versehene, beinahe progressive Komposition wäre als Auflockerung in der Turbinenhalle auf jeden Fall ein Statement gewesen. Wer „Dying Alive“ ersteht, darf sich natürlich trotzdem daran erfreuen. Knappe zwei Stunden halten die Essener das Publikum bei der Stange und beweisen erneut ihre Live-Qualitäten. Für Fans mag das keine Überraschung sein, sich immer wieder aufs Neue von diesen zu überzeugen, ist aber natürlich auch eine feine Sache - egal ob in der Crowd mit anderen Kreator-Jüngern oder in konservierter Form. Wer Kreator mag, greift bei „Dying Alive“ ohne zu zögern zu und lässt die Welt im eigenen Wohnzimmer untergehen.

Anspieltipps:

  • From Flood Into Fire
  • Phobia
  • Hordes Of Chaos
  • Civilization Collapse
  • United In Hate
  • War Curse

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