Turin Brakes - We Were Here - Cover
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Turin Brakes We Were Here


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach wie vor frisch und modern: Die Turin Brakes zum Sechsten!

Mit „The Optimist LP” legten die Turin Brakes im Jahr 2001 einen beeindruckenden Start hin und waren Teil der „Quiet Is The New Loud“-Bewegung. Olly Knights und Gale Paridjanian sind Engländer, die damals mit einer EP im Gepäck ihren ersten Plattenvertrag erhielten. 2003 erschien mit „Ether Song“ der aufwändiger produzierte Nachfolger. Danach nahmen sie in einem Londoner Keller das von ihnen selbst produzierte „JackInABox“ (2005) auf. Zwei Jahre später packten sie auf „Dark On Fire“ die Rockgitarren aus, um im Jahr 2010 mit „Outbursts“ zu ihrem Folk-Konzept zurückzufinden.

Nun also ist „We Were Here“ das sechste Studioalbum, das Olly Knights in folgendem emotionalen Kontext sieht: „If ‚The Optimist‘ was the soul of a heartbroken twenty one year old whose innocence was breaking, then this record is perhaps a summation of where that soul is a decade later.“ Zudem berichtet Knight über seine früheren und jetzigen musikalischen Vorlieben und nennt Interpreten wie Joni Mitchell, Laura Marling und Pink Floyd. Der Aufnahmeprozess gestaltete sich ähnlich wie auf dem Vorgänger „Outbursts“, folglich die Rückkehr zu einem analogen Klangbild, das von Steve Albini überwacht wurde.

Auch 12 Jahre nach dem Debüt setzt Gänsehaut ein beim ersten Vernehmen von Olly Knights‘ Stimme. Diese Vibrationen, das scheinbar beiläufig dahin Geschnatterte, die leicht weiblichen Züge in seinem Gesang, machen unterm Strich einen sehr hohen Wiedererkennungswert, das viel gerühmte Alleinstellungsmerkmal. Auch musikalisch verstehen es die Turin Brakes, Brücken zu bauen. Sie platzieren sich zwischen Folk, Pop und Rock, sind in der Lage, Melodien in einen anspruchsvollen Kontext zu stellen, die auch in den Charts eine gute Figur abgeben.

Neben jenen eingängigeren Titeln (z.B. „Guess You Heard“), finden wir so Folk poetische wie das beinahe sechsminütige „No Mercy“ oder „Erase Everything“, die mit akustischen Mitteln kunstvolle Harmonien und frei fließende, umso eindringlichere Gesangslinien finden. Selbst mit Westcoast-Harmoniestimmen glänzen die Turin Brakes, hierfür sind „Sleeper“ und das famos orchestrierte „Blindsided Again“ gute Beispiele. Hin und wieder wird eine Slide Gitarre eingesetzt, die natürlich den Blues zitiert wie auf „Time And Money“ oder „Part Of The World“. Auch die rockigen Töne werden gesucht und gefunden wie beispielsweise auf „Dear Dead“, das mit Jethro Tull-Querflöte daherkommt.

Vielleicht ist den Turin Brakes mit „We Were Here“ ihr abwechslungsreichstes Album gelungen, das zudem mühelos über Schranken wie Pop, Folk und Rock hinwegspielen kann, aber das bewiesen die beiden Londoner auch schon in der Vergangenheit. Altersweise sind sie noch nicht, aber reifer, gelassener und geschlossener allemal. Dabei gelingt ihnen das Kunststück, nach wie vor frisch und modern zu klingen. Eine runde Sache!

Anspieltipps:

  • Time And Money
  • Blindsided Again
  • Guess You Heard
  • No Mercy
  • Erase Everything

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