Bill Callahan - Dream River - Cover
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Bill Callahan Dream River


  • Label: Drag City/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein atemberaubendes Dokument eines einzigartigen Individualisten.

Er hat es wieder getan. Auch sein viertes Album unter eigenem Namen nimmt uns auf eine eigenständige, geheimnisvolle, mystische musikalische Reise mit. Der ehemalige Vordenker der Formation Smog hat wieder ein Werk von ergreifender Schönheit geschaffen und sich innerhalb seines Kosmos in die nächste Dimension weiterentwickelt. Bill vergleicht den Vorgänger „Apocalypse“ mit einem Skelett. Diese Scheibe stellt also das Gerüst dar, auf dem das neue Album aufgebaut ist. Die aktuelle Arbeit soll sozusagen Fleisch an die Knochen bringen. Die Geige soll dabei das Erdige und Fleischige im Klangbild symbolisieren und die Flöte das Traumhafte.

Die Kompositionen werden geschmeidig vorgetragen, sie wirken fast unwirklich, wie ein Echo aus einer anderen Welt. Die Songs weigern sich, kategorisiert zu werden. Bill Callahan streift mit seinen Schöpfungen Bereiche des kalifornischen West Coast Folk-Rock und des britischen Psychedelic-Pop der frühen siebziger Jahre. Auch Jazz-Folk Zitate tauchen auf und verwehte Hinweise deuten noch auf Country-Wurzeln hin. Die Geister von Tim Buckley und Terry Callier scheinen die Arbeit beflügelt zu haben. Verwirbelte Psychedelic-Gitarren-Exkursionen reinigen manchmal die Luft. Bill singt dazu mit seiner ruhigen, gelassenen, überlegten, abgehangenen, allwissend erscheinenden Erzählstimme.

Das Album überzeugt als rundes Gesamtkunstwerk. Die Musik versetzt den Hörer in eine subtile Parallelwelt und entlässt ihn verzaubert mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Zeit scheint stillzustehen, während man den Klängen lauscht. Bill Callahan ist ein Klangzauberer, der mit relativ bescheidenen Mitteln einen Rausch an Eindrücken und Emotionen erzeugen kann. Er spielt in seiner eigenen Liga und gehört zu den ganz großen, originellen Individualisten und Visionären unserer Zeit. Es ist ihm tatsächlich gelungen, in einem für ausgereizt gehaltenen Genre einen neuen Sound zu erschaffen.

Anspieltipps:

  • The Sing
  • Spring
  • Ride My Arrow
  • Seagull

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