Tony Joe White - Hoodoo - Cover
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Tony Joe White Hoodoo


  • Label: Yep Roc/CARGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

The Swamp Fox füttert den Blues mit Magie, Monotonie und Moskitos.

Zwischen den Jahren 1969 und 1973 hat Tony Joe White aka „The Swamp Fox” sechs meisterliche Studioalben veröffentlicht, die zum Kanon der Popmusik-Historie gezählt werden müssen. Danach wurde es ruhiger um den in Louisiana geborenen Singer/Songwriter, der zwar in den 90er-Jahren immer wieder mal auf sich aufmerksam machte, ohne dabei an seine ganz großen Anfangserfolge anzuknüpfen. In den Nullerjahren wurde er wieder formbeständiger, wagte einen Neuanfang, sinnigerweise „Beginning“ (2001) betitelt. Danach waren „Snakey“ (2002) und „The Heroines“ (2004) zu beachten. Nicht weniger erwähnenswert „Uncovered“ (2006) und „Deep Cuts“ (2008), auf letzterem möbelte er mit seinem Sohn Jody seine alten Klassiker neu auf. 2010 folgte „The Shine“, sein vorerst letztes musikalisches Lebenszeichen.

Nun bringt der kürzlich 70 Jahre alt gewordene White mit „Hoodoo“ sein neuestes Studioalbum heraus, wobei die Aufnahmen zumeist live im Studio eingespielt und oftmals die „First Takes“ ausgewählt wurden. White fand in Bryan Owings (Schlagzeug) und Steve Forrest (Bass) seine Begleiter, und sie ließen ihre gemeinsamen spontanen Sessions in neun Songs münden. In seinen großartigen Anfangstagen braute White Blues, Funk, R&B und Rock zu jener genialischen Swamp Music zusammen, die oft kopiert, aber nur selten erreicht wurde. Nun besinnt er sich mit „Hoodoo“ auf den Blues, der zweifellos im Zentrum seines neuen Albums steht und dennoch von jenen Swamp-Zutaten heimgesucht wird. Zwar hallen die alten Blueser wie Robert Johnson, Lightnin‘ Hopkins und John Lee Hooker in diesen Songs nach, doch der Blues wird von zischenden Klapperschlangen, zähnebleckenden Alligatoren und schwirrenden Moskitos umkreist.

Zum Auftakt bringt uns der Amerikaner „The Gift“ nahe, wobei es sich um das Geschenk Musik und Songs handelt, Songs mit alten Bluesthemen oder Naturkatastrophen („Storm Comin‘“, „The Flood“) umschreibend. Seine Stimme hat ein deutlich dunkleres Timbre als auf seinen frühen Aufnahmen, wirkt entsprechend geheimnisvoll und überzieht die in der Louisiana-Hitze brütenden Harmonien und Rhythmen mit einem langen, tiefen Schatten. Die Gitarrensaiten schnarren und zerren mit einer rohen Urkraft, dazu lässt ein stoischer Bass dickflüssiges Blut durch die Adern pulsieren. Hin und wieder werden silbrige E-Piano-Tonfolgen gestreut oder „Who You Gonna Hoodoo Now“ als schwer schnaubender und Schweiß dampfender Blues, der von einem Hauch Orgel kaum Abkühlung erfährt.

Auf „9 Foot Sack“ dampft Tony Joe White seine Lebensgeschichte ein, ganz im Geiste Lightnin‘ Hopkins‘, John Lee Hooker stampft dazu mit dem Fuß. „Alligator Mississippi“ ist die Fortsetzung dieser Geschichte; in der Mitte des Albums sitzt der Hörer auf dem Flussdampfer, fußwippend, nahezu hypnotisiert, im Sog und an den Wurzeln des Hoodoo, jenen magischen Ritualen der Südstaaten, nach denen White sein neues Album benannte. Dass dieses mit der Monotonie und Magie des Blues einhergeht ist dabei weniger verwunderlich, vielmehr sind es dazugehörige Ingredienzien, die uns der reife Swamp-Fuchs hier wieder in bestechender Altersform aus dem Hut zaubert. Lang lebe Tony Joe White!

Anspieltipps:

  • The Gift
  • Who You Gonna Hoodoo Now
  • Alligator Mississippi
  • Sweet Tooth

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