Saitenfeuer - Kein Zurück - Cover
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Saitenfeuer Kein Zurück


  • Label: Better Than Hell/EDEL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Band zwischen Stadtfest und Festival, bei der sich schwer sagen lässt, wo es am Ende hingeht.

Ein frischer Wind aus Leipzig weht derzeit in Richtung Deutschrock-Szene, ausgelöst von einer Band mit dem Namen Saitenfeuer, die bisher verhältnismäßig unbekannt war, jetzt aber gerne den großen Sprung wagen würde. So weit, so gut: Was hier auf den gewillten Musikfan zukommt, ist geradlinige, relativ harte Rockmusik mit musikalischer (aber nicht inhaltlicher) Punk-Ausrichtung, hervorgebracht von fünf scheinbar sympathischen Typen, die laut Pressemitteilung besonders stolz auf ihre „alltagstauglichen“ und „ehrlichen“ Texte sind.

Ob sie genauso stolz auf ihre Kompositionen sind, ist nicht überliefert. Möglicherweise nicht grundlos, kommt doch ihr zweites Album „Kein Zurück“ insgesamt etwas eintönig daher. Hier von einer Schablone zu sprechen, wäre gewiss übertrieben, aber zumindest ein paar mehr Finessen wären wünschenswert gewesen. Zwischenzeitlich gewöhnt sich das Gehör so sehr an die wiederkehrenden Strukturen, dass die plötzliche Verwendung einer Akustikgitarre („Ein Letzter Kuss“) oder gar eines Pianos („Immer Wieder“) kurzzeitige Irritationen hervorruft. Dass fast alle Songs eine gleiche Länge besitzen, gehört zweifellos auch in diese Kategorie.

Aber hey: Punkige Rockmusik, wer wird da zu kleinlich sein, so lange es Spaß macht? Ob und in welchem Umfang beim Hören von „Kein Zurück“ Freude aufkommt, hängt allerdings davon ab, was man erwartet. Abwechslung? Kaum vorhanden. Lyrische Tiefe? Geht so. Der Gesang von Frontmann Carsten Thiecke? Cool, aber mit nicht allzu großem Wiedererkennungswert versehen. Die Stärke von Saitenfeuer liegt nicht in diesen drei Kategorien, dafür aber in einem Gespür für gute Refrains mit Haftwirkung: „Weder Schein Noch Sein“, der beste Song auf „Kein Zurück“, besitzt ganz klar Hitpotential und auch andere Stücke wie „Das Ist Der Moment“ oder „Flussaufwärts“ bestechen mit ihren Hooklines.

In der Form, wie sich Saitenfeuer in ihrem sechsten Bandjahr und auf ihrem zweiten Longplayer präsentieren, lässt sich beim besten Willen nicht sagen, wo es mit dieser Truppe hingeht. Sie passen genauso gut ins Vorprogramm von Betontod wie auf Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“, könnten mit Glück bald die etwas größeren Festivals bespielen, aber auch Stadtfeste eröffnen. Egal, wie es kommt: Was die fünf Jungs unbedingt ändern sollten, ist ihr aktueller Schriftzug. Immerhin erschließt sich dieser nicht mal auf den zweiten Blick, sondern lässt eher etwas in Richtung „Saitenbruch“ vermuten. Also fürs nächste Album: Eine andere Schriftart, weniger Gleichförmigkeit und noch ein paar Songs auf dem Level von „Weder Schein Noch Sein“ - dann könnte das was werden.

Anspieltipps:

  • Weder Schein Noch Sein
  • Das Ist Der Moment
  • Flussaufwärts

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