EF - Ceremonies - Cover
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EF Ceremonies


  • Label: And The Sounds Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

EF vereinen auf „Ceremonies“ dem Titel entsprechend alles, was man sich von melodischem Post-Rock erhofft.

Dass man es bei dem schwedischen Quintett EF mit Schöngeistern zu tun hat, lässt sich schon an den Titeln ihres Albums erkennen. „Yield, Heart! Yield“ und „Thee Barren Soil Of Messaure“ klingen nach feinem Mittelalterenglisch oder auch Shakespeare und ein Name wie „Delusions Of Grandeur“ lassen Sprachliebhaber einen positiven Schauder erfahren. Wem das jetzt schon zu abgehoben schwülstig wird und wer auch nichts mit Überlängen anfangen kann, der kehrt der Band aus Göteborg zu Recht den akustischen Rücken. EF sind ein Zusammenschluss aus all dem, was man sich von sanftem Postrock erwartet, und all die Inspirationen und Querverweise zu nennen, würde schon mindestens einen Absatz kosten.

Verträumte Soundsphären, die oftmals als einfaches Klavierspiel beginnen und von hallenden Stimmen getragen werden, bevor Gitarrenwände und Schlagzeugrhythmen sämtlichen Indie-Bands mit melancholischem Klang alle Ehre machen, „Aaahs“ und „Oooohs“ erklingen, welchen Track man auch auswählt - und so wird man von einer Hymne in die nächste getragen. Dabei gelingt dem Quintett tatsächlich die Leistung, dass jede Melodie im Ohr bleibt und wer sich nur schwer von guten Songs trennen kann, der darf auf „Ceremonies“ bis zu knapp 12 Minuten pro Stück zelebrieren. So haben Tracks wie besagt langes „Yield, Heart! Yield!“ genug Zeit, um Rhythmuswechsel und Crescendi auf uns loszulassen, die den Hörer mit emotionaler Wucht erst erdrücken und dann völlig darin umgeben und schließlich wiegen. Von behutsam romantisch, über explosiv mitreißend bis hin zu majestätisch grazil führen uns die Schweden mit traumwandlerischer Sicherheit durch ihre Arrangements.

Und wo ist der Haken? Irgendwo muss doch ein Haken sein? Wer möchte, kann dem kurzen „Sex“ die Entwicklung und Vielfalt der restlichen Stücke absprechen. Dafür ist der Song aber auch nur drei Minuten lang. Die Magie, die EFs Musik zum Ticken bringt, erwacht aber auch hier, wenn zum Abschluss die Drums rollen und das sanfte Soundbeben für Gänsehaut sorgt. Natürlich muss man Post-Rock mögen und mit langen Tracks klarkommen. Wer sich nicht gerne in ausgiebigen Instrumental-Bädern verliert, der kann nicht erwarten, dass dieses Album bei ihm oder ihr seine volle Wirkung entfaltet. Wer hingegen auch zu Bands wie Sigur Rós gerne schwelgt, der bekommt hier eine weniger verkopfte und dafür eingängige Alternative, die nie langweilig wird.

Ob es die aufmunternd optimistischen Bläser in „Yield, Heart Yield!“, mysteriöse Soundscapes in „Lake Vaettern“ oder die rhythmisch melodischen Odysseen in „Delusions Of Grandeur“ und „Where G Mallory Sleeps“ sind, „Ceremonies“ trifft immer den richtigen Ton und verschmilzt mit aufmerksamen Hörern geradezu. „Ceremonies“ stimmt an jeder Ecke und Kante und ist ein Erlebnis, welches man sich als Postrock-Fan nicht entgehen lassen darf. Punkt.

Anspieltipps:

  • Yield, Heart! Yield!
  • Where G Mallory Sleeps
  • Lake Vaettern

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