Ministry - Enjoy The Quiet: Live At Wacken 2012 - Cover
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Ministry Enjoy The Quiet: Live At Wacken 2012


  • Label: UDR/EMI
  • Laufzeit: 135 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

¡Hola... Puta Madres! Die Industrial-Großmacht meldet sich mit einem gelungenen Live-Mitschnitt zurück.

Ministry machen es ihren Fans nicht leicht. Die letzten Monate waren sowohl in positiver als auch (leider) negativer Hinsicht extrem ereignisreich und bis zum Rand mit Ankündigungen, Gerüchten und Falschmeldungen gefüllt, die immer wieder genüsslich verworfen wurden. So dürften einige Fans zu Recht irritiert und schockiert gewesen sein, als kurz nach dem Comeback-Album „Relapse“ (2012) der neue Longplayer „From Beer To Eternity“ angekündigt wurde und gleichzeitig das geplante Ansteuern der Endstation verlautete. Ministry weihen derzeit aber definitiv noch unter uns, auch wenn Bandchef Al Jourgensen nie zu trauen ist, wenn es um die Zukunft seines Babys geht. Als Beweis dafür, dass trotzdem noch was geht, meldet er sich im Live-Gewand zurück und begeistert wie eh und je. Wer allen Ernstes Ministry abgeschrieben und nach dem Comeback im Jahre 2011 nicht mehr viel von den Industrial-Legenden erwartet hat, wird seinen Augen nicht trauen. Und mal im Ernst: Wer würde bei so viel positiver Resonanz schon die Flinte ins Korn werfen wollen?

Kaum ein Jahr nach ihrem letzten Studioalbum beweisen die alten Herren nämlich, dass sie nicht nur wieder da, sondern so vital wie schon lange nicht mehr sind. Kein anderes Festival bietet sich da so gut an wie das gute, alte Wacken Open Air. Ministry wissen, wie man einen gewaltigen Knall inszeniert und kombinieren ihre eigene Erfahrung, Spielfreude und das generell schon mal gut gelaunte Publikum geschickt, um ein Live-Erlebnis zu dokumentieren, wie man es selten von den Recken aus Chicago erlebt hat. Beinahe komplett und durchgängig im roten und grünen Nebel verhüllt, legen Mastermind Al Jourgensen und seine Band mächtig los und wirken so, als hätten sie gerade Waterboarding mit dem Wasser eines Jungbrunnens hinter sich gebracht. Ministry sind in Topform, keine Frage. Mit Videoeinspielern unterlegt, sorgt die Band für die typische Live-Erfahrung und weiß zu begeistern. Songs wie „99%ers“, „Relapse“ und „Ghouldiggers“ lassen kein Auge trocken; hier haben sich Ministry nur einige ihrer zahlreichen Rosinen aus dem jüngeren Backkatalog gepickt. Klassiker wie „Thieves“ und „New World Order (N.W.O.)“ kommen schließlich noch sehr viel besser an und werden besonders euphorisch aufgenommen. Dennoch bleibt die Setlist pure Geschmackssache - alte Hasen werden nur bedingt glücklich. Wirklich schlecht ist die Auswahl aber auch nicht.

Besondere Beachtung verdient „Enjoy The Quiet: Live At Wacken 2012“ dann noch deshalb, weil es sich um das bislang letzte Live-Dokument handelt, welches den am 23. Dezember 2012 verstorbenen Gitarristen Mike Saccia an seinem Instrument zeigt. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf bekommt der Gig einen leicht sentimentalen Unterton und beinahe wirkt es so, als zeige man Axtmann Scaccia besonders oft, um ihm so zu huldigen. Wer seine Energie, Konzentration und Spiellaune sieht, weiß, welch großer Verlust sein Tod für die Band war und ist. Wo Licht ist, ist aber auch Schatten: Die Bildqualität ist zwar per se nicht schlecht, könnte aber einen Tick besser sein und kann mit vergleichbaren Aufnahmen vom Wacken Open Air kaum Schritt halten. Oft wirkt die Aufnahme leicht grobkörnig und verschwommen. Dagegen ist der Sound aber wirklich allererste Sahne, glasklar und extrem druckvoll. Wer nach dem Schauen der DVD immer noch nicht genug hat, bekommt anschließend gleich zwei Bonus-CDs. Auf der ersten befindet sich das bereits gesehene Konzert, auf der zweiten schließlich eins aus dem Jahre 2006, welches ebenfalls einen Auftritt im Rahmen des W:O:A dokumentiert. Hier entschädigen Ministry nochmal nachträglich für den einen oder anderen Klassiker, der es nicht in die Setlist des 2012er Gigs geschafft hat. Für Fans sollte das ohne Frage ein echter Kompromiss sein!

Anspieltipps:

  • No W
  • 99%ers
  • New World Order (N.W.O.)
  • Thieves

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