Lilly Wood & The Prick - The Fight - Cover
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Lilly Wood & The Prick The Fight


  • Label: Wagram Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Heimlich, still und mit einem Jahr Verspätung durchbricht ein französisches Duo die Phalanx der britisch-amerikanischen Pop-Herrschaft.

So gerne die Briten auch versuchen, die Radiolandschaft innovativ zu gestalten, ergeben auch sie sich früher oder später den vorherrschenden Trends. Innerhalb der Grenzen eines Genres lässt sich allerdings viel anstellen, nur sorgt der Erfolgsdruck scheinbar dafür, dass letztlich amerikanischer Einheitsbrei wie Lady Gagas „Applause“ herauskommt. In diesem Licht betrachtet ist es nur konsequent, dass ein Pariser Duo losgelöst von all diesen Erwartungen ein modern melancholisches Album auf den Markt bringt, das im Kopf bleibt.

Zwar hat es eine ganze Weile gedauert, doch das Warten auf „The Fight“ von Lilly Wood & The Prick hat sich gelohnt. Mit knackigen Basslines und tanzbaren Drums erobern die beiden Franzosen auf denkbar einfache Weise unsere Herzen. Dabei greifen sie sogar zum Song-Klischee Nummer eins, indem sie über Kalifornien singen. Aber die Stimmung solcher Lieder hat schon Adele zur ganz großen Nummer gemacht und wird hier noch mit einer Spur Tanzbarkeit untermalt, die der Musik sehr gut zu Gesicht steht.

Dass diese Klasse von „Mistakes“ an bis zum Ende mit Tempowechseln, Spoken Words („No Mark“) und Ohrwurm-Pop („Joni Mitchell“) durchhält und in einer ähnlich einfangenden Hymne wie beim Opener endet, ist schon allein Grund genug, um als Fan moderner Pop-Musik zuzugreifen. Aber auch abseits dieser Formel hat das Duo noch ein, zwei Asse im Ärmel. Die Disco-Nummer „Middle Of The Night“ und das Rhythmus-Monster „Le Mas“ wären da zu nennen und dass sich „Long Way Back“ auch an übliche Hymnen hält, ist als Ausnahme durchaus vertretbar. Da vergisst man fast schon, dass „Let's Not Pretend“ und „Guys In Bands“ sich im Vergleich wie Lückenfüller anfühlen.

Lilly Wood & The Prick schaffen es, die altmodisch anmutenden Instrumente und die Art des Gesangs mit moderner Produktion zusammenzubringen. Das Ergebnis kann sich auf ganzer Linie hören lassen und zeugt von einem starken Gespür für Melodien und Stimmungen. Vielleicht sollten wir in Deutschland ausnahmsweise dankbar sein, dass es so lange gedauert hat, bis das Album auch hierzulande vertrieben wurde. Mit „The Fight“ sieht die aktuelle Pop-Landschaft nämlich schon wieder ein Stück weniger finster aus. Da kann das Duo noch so melancholisch klingen.

Anspieltipps:

  • Mistakes
  • Joni Mitchell
  • Into Trouble

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