Anathema - Universal - Cover
Große Ansicht

Anathema Universal


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 79 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese Konzertaufnahme lässt den Hörer auf den musikalischen Wellen der Gefühle mitschwimmen.

Nach zwei Alben ihrer neuen musikalischen Ausrichtung („We’re Here Because We’re Here“ und „Weather Systems“) war es Zeit für eine Live-Aufnahme. Ausgewählt wurde dafür das erste Konzert der europäischen Weather Systems Tour in einem schönen, alten, römischen Amphitheater in Plovdiv, Bulgarien, am 22.09.2012. Anathema ließen sich nicht lumpen und organisierten für die Konzertaufnahme noch einige zusätzliche Musiker, um genauer zu sein ein ganzes Streichorchester, das Plovdiv Philharmonic Orchestra.

Die Band gestaltet das Konzert sehr geschickt, sie beschränken sich fast vollständig auf die Songs der beiden letzten, musikalisch miteinander verknüpften Alben, die gepaart mit dem Anblick des antiken Amphitheaters und dem Orchester im Rücken eine ganz spezielle Atmosphäre erschaffen. Ein unvergessliches Konzerterlebnis für die Besucher kann seinen Lauf nehmen.

Auf der CD-Version fällt das Orchester zunächst gar nicht auf. Es spielt natürlich eine unterstützende Rolle, aber es ist vielmehr der Fakt, dass die Songs auf „Weather Systems“ bereits mit einem Orchester ausgestattet waren, insofern gehört das Orchester für den Hörer automatisch dazu. Auf jeden Fall eine ganz logische und konsequente Entscheidung von Anathema, ein Orchester für dieses Konzert einzusetzen, um die Songs noch authentischer erklingen zu lassen.

Beeindruckend, wie gut Vincent Cavanagh mittlerweile live singt. Ob er wohl einige Gesangsstunden genommen hat? Das klang nach der sensationellen Rückkehr der Band anno 2010 mit „We’re Here Because We’re Here“ auf ihren Konzerten noch nicht ganz überzeugend. Mittlerweile bildet Vincent Cavanagh zusammen mit Lee Douglas ein tolles Gesangsduett. Klar trifft er ab und zu mal nicht den Ton und Lee übertreibt gerne mal mit ihrem Vibrato in der Stimme, aber das macht das Konzert erst real und authentisch, was vielen aktuellen, glatt gebügelten Konzertaufnahmen genauso fehlt, wie ein hörbares und interagierendes Publikum. Hier ist es präsent und zeigt sich vom Konzert sehr begeistert, singt sogar zum Ende kräftig mit.

Ein ganz besonderer Moment auf DVD ist in „A Natural Disaster“ zu sehen. Brennende Feuerzeuge sind auf Konzerten so gut wie ausgestorben. Schuld daran sind nicht die Anti-Raucher-Kampagnen des Staates, schuld ist die moderne Informationsgesellschaft und ihr Bedürfnis nach allgegenwärtiger Erreichbarkeit, kurz Smartphones. Die Blitze der eingebauten Kameras lassen sich prächtig als Taschenlampe missbrauchen und ersetzen damit bei Balladen die brennenden Feuerzeuge. Wie kleine funkelnde Sterne erleuchten sie die Zuschauerränge (siehe auch Coverbild).

Die CD ist mit 79 Minuten randvoll und bietet zum Ende noch drei Songs von „A Natural Disaster“, während die DVD eine Spielzeit von 140 Minuten aufweist und zum Konzertende noch einige Klassiker der Band parat hält, natürlich auch „Fragile Dreams“, sogar in zwei Versionen, zum einen als Abschluss des Konzerts in orchestraler Version und zum anderen als Abschluss der Zugabe in ursprünglicher Version ohne Orchester.

Visuell gibt es nichts zu mäkeln. Lasse Hoile hat dem Konzert einen tollen, unaufgeregten Bildschnitt verpasst. Eine Schande nur, dass es keine 5.1-Audiospur gibt, dies ist schlicht und ergreifend nicht zeitgemäß. Möglicherweise gab es irgendwelche technischen Probleme oder Fehler, weshalb sie nicht ihren Weg auf die DVD geschafft hat, anders ist dies nicht zu erklären, insbesondere da das Konzert auch als Blu-Ray-Version in HD erschienen ist. Die gelungene musikalische Darbietung und Atmosphäre sind aber auch in Stereo ein Genuss und können daher diesen ärgerlichen Umstand vergessen machen.

Anathema ist mittlerweile eine Klasse für sich. Nach wie vor ist es schwer zu begreifen, welchen Wandel diese Band hinter sich hat, wie sie ihre morbide Weltsicht hinter sich gelassen hat. Die Musik ist nach wie vor alles andere als fröhlich durch die Gegend hüpfend, aber sie vermittelt eine Stimmung der Hoffnung, bringt immer wieder Licht ins Dunkel, ihre Stimmungsschwankungen gepaart mit schönen Melodien entfalten eine Wirkung auf emotionaler Ebene, berühren den Hörer und lassen ihn auf diesen Wellen der Gefühle mitschwimmen. Dieses Konzert aus Bulgarien ist ein sehr gelungenes Beispiel dafür.

Anspieltipps:

  • Dreaming Light
  • A Simple Mistake
  • The Storm Before The Calm
  • A Natural Disaster

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
7/10

50th Anniversary: Live At The Apollo
  • 2018    
Diskutiere über „Anathema“
comments powered by Disqus