Ghostnotes - Crossroads - Cover
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Ghostnotes Crossroads


  • Label: Zeitart/New Music Distribution
  • Laufzeit: 72 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ghostnotes aus Kassel präsentieren sich auf ihrem Debüt zwischen berührenden Gefühlen und triefendem Pathos.

Jörn Ihmels, Steffen Mascher, Markus Wagner und Lars Hennemann mögen Classic-Rock. Zwar müssen die Gitarren sich oft zu Gunsten des Pianos in den Hintergrund begeben, doch dass ein Piano Rock verkörpern kann, weiß man nicht erst seit Queen. Mit dem Pathos dieses ausgestorbenen Genres und einem Fokus auf akustischer Musik tarnen die vier Jungs aus Nordhessen ihre unzeitgemäßen Vorbilder allerdings hervorragend.

Die Melodiebögen kommen einem dabei unglaublich bekannt vor und sind im Grunde auch eine Mischung aus Classic-Rock-Balladen, die man aufgrund der akustischen Herangehensweise allerdings völlig neu hören lernen muss. Typisch für das wahre Genre der Band ziehen sich Gitarrensoli durch das komplette Album und bevor Sänger Jörn auf möglichst emotionalen Gesang verzichtet, wird die Karriere dieser Band enden. Ghostnotes haben sich ganz und gar der Classic-Rock-Balladen verschrieben, die ab und an in die Pop-Gefilde eines Elton John abdriften.

Diese Verweise klingen nach überbordender Qualität, doch in erster Linie sind sie gewählt, um darauf hinzuweisen, dass Ghostnotes' Musik ein gewisses Alter anlastet. Hörer müssen wissen, dass sie sich hier auf sehr konventionelle Rock- und Pop-Musik der letzten Jahrzehnte einlassen. Zusätzlich sieht sich „Crossroads“ als Konzeptalbum, was häufig bedeutet, dass die Lieder in erster Linie Geschichten erzählen und Emotionen ausdrücken. Typische Songstrukturen wie Steigerungen und Höhepunkte bleiben da zugunsten der Erzählung schon mal aus.

Das bedeutet, dass leider sehr viele der Piano-Balladen ohne großes Finale oder Abwechslung auskommen müssen. Für Interluden ist so etwas in Ordnung, doch früher oder später wünscht man sich einen Umschwung und dass die Lieder mehr als nur eine Grundidee bieten. „The Harmony Of Life“ ist so ein Titel, der darum bettelt, sich eine Hymne nennen zu dürfen. Die Band versagt dem Track leider jegliche Entwicklung und verkauft eine sehr gute Melodie letztlich weit unter Wert. Gleiches gilt für das überlange „Footprints“, welches sich entweder zu lange zieht oder die nötigen Ideen vermissen lässt, um gute sieben Minuten zu füllen. Ansichtssache.

Dass ausgerechnet das konsequent auf altmodischen Folk-Rock ausgelegte „Wolf Blue“ tatsächlich wie ein kompletter Song klingt, passt ins Gesamtbild. Ghostnotes verlieren sich in typischen Strukturen mit Gitarrensolo in der zweiten Hälfte oder belassen es bei einer unberührten Melodie und lassen das Potenzial im Äther verschwinden. So bleibt dem Hörer kaum etwas anderes übrig, als die meisten der Lieder als nett zu empfinden. Harmlose Stücke, die niemandem sauer aufstoßen können. Der stets sanfte Gesang fügt das Seinige zu diesem Bild hinzu.

Nach einer guten Stunde erkennt man an, dass diese Band intime und gefühlvolle Lieder schreiben will. Allerdings sind Trauer, Optimismus, Nostalgie und Freude bei Ihmels Gesang nur schwer auseinanderzuhalten. Er singt immer voller Gefühl. Das ist die einzige Leistung, die man ihm unterschreiben kann. Dazu gesellen sich die leider etwas gesichtslosen Rock-Nummern und die strukturell sehr stringenten Balladen, sodass die große Schwäche bei all diesen schönen Melodien ist, dass sich die Band kein Gesicht verleiht und so weder mit einer Botschaft, noch mit Melodien im Kopf oder gar im Herzen bleiben kann. Die Ansätze sind vorhanden, doch es gilt nun, sie nicht einfach verebben zu lassen.

Anspieltipps:

  • Wolf Blue
  • The Harmony Of Life
  • Walking Blind

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