Phonoboy - Obsession - Cover
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Phonoboy Obsession


  • Label: 1969 OK! Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Phonoboy probieren es auf „Obsession“ mit einem Hauch Blur und alten Lastern.

Verdächtig bekannt klingen die Gitarrenriffs auf Phonoboys neuer Platte „Obsession“. Nach dem seichten Party-Rock mit guten Melodien und nicht vorhandener Tiefe auf „This Is Not A Band“ musste sich aber auch etwas ändern. Jetzt klingt in den vollgestopften Soundscapes der deutsch-französischen Band ein Art-Pop-Sound durch, der die Monotonie früherer Arrangements vergessen machen soll. Die Gitarren erinnern dazu an Blur und es keimen tatsächlich Hoffnungen auf, dass auf „Obsession“ alles besser wird.

Bevor dieser Optimismus überhandnimmt, sei gleich festgehalten, dass die Songs von Phonoboy auch weiterhin sehr stringent verlaufen und sich in ihren Grundmelodien und -themen suhlen. Es fehlt der Band auch weiterhin das Gespür, welche Titel einen langen Auslauf überhaupt verdient hätten. Nach gut drei Minuten hat man von „Le Gendarme Électronique“ alles gehört, was der Song zu bieten hat und folgt den nächsten knapp fünf Minuten eher halbherzig.

Warum Phonoboy ihre Musik auch weiterhin unnötig strecken, bleibt wohl ihr Geheimnis. Das schmerzt im Gesamtbild besonders, da die Lieder im Vergleich zum Vorgänger mit jeweils noch besseren Melodien herhalten können. „Doin' Alright“ ist dank kraftvollem Bläsereinsatz ein Track, der Hörer sofort auf Touren bringt. Dass auch dieser Song das perfekte Ende verpasst, muss wohl nicht erwähnt werden. Neben der weiteren Dance-Pop-Nummer „Obsession“ gefallen besonders „Now Or Never“, „Welcome To The Show“ und „Keep An Eye On You“, die den Charme des Brit-Rock der 90er-Jahre schön widerspiegeln.

Leider können diese durchgehend guten Melodien nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Songs allesamt auf halber Strecke ihren Reiz verlieren und der Status der Lieder sich auf die eines möglichen Club-Hits reduziert. Wenn man sich nicht die Seele aus dem Leib tanzt und von lediglich einer einfachen Melodie und dem immer gleichen Rhythmus getragen werden möchte, dann funktioniert Phonoboy auch weiterhin nicht und durch eingeschobene Balladen und den Brit-Rock-Ansatz kann die Band nur schwerlich beweisen, dass sie die eigene Monotonie nicht selbst bemerkt hat. Da kann die Formkurve noch so verheißungsvoll nach oben zeigen, wenn Phonoboy sich letztlich mit der Art, wie sie Musik machen, selbst im Weg stehen.

Anspieltipps:

  • What If History Was Wrong?
  • Keep An Eye On You
  • Doin' Alright

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