Rod Stewart - Rarities - Cover
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Rod Stewart Rarities


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 99 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Raritätensammlung aus den frühen Solo-Jahren.

Keine Frage, Rod Stewart war mal von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung der britischen Rockmusik. Er war Sänger in der Jeff Beck Group von 1967 bis 1969 und bei den Faces von 1971 bis 1973. Dort sorgte er als raubeiniger Sänger von schnoddrigem, hemdsärmeligem Boogie und bluesinfiziertem Rock`n`Roll sowie als einfühlsamer Interpret von romantischen Balladen für Furore. Er gehörte mit seiner Ausstrahlung zum Prototyp eines intensiven Frontmannes. Auf der einen Seite war er leidenschaftlich und kantig. Auf der anderen Seite sorgte der Tiefgang in seiner Stimme dafür, dass der leicht anrüchige Eindruck charmant übersetzt wurde. Auf seinen ersten Solo-LPs „An Old Raincoat Won't Ever Let You Down” von 1969, „Gasoline Alley” von 1970, „Every Picture Tells a Story” von 1971, „Never A Dull Moment” von 1972 und „Smiler“ von 1974 überzeugte er sowohl als einfallsreicher Autor eigener Songs wie auch als kompetenter Interpret von Fremdmaterial. Er fand dabei häufig die richtige Balance zwischen ruppigem Macho-Gehabe und einschmeichelndem, reifem Pop mit Roots-Bezügen in Richtung Folk, Blues, Country und Soul.

Genau aus dieser starken Blütephase von Rod The Mod wird die vorliegende Raritätensammlung gespeist. Bis auf zwei BBC Radio 1-Mitschnitte mit den Faces wurden die gesammelten Titel allerdings schon auf anderen Zusammenstellungen veröffentlicht. Die Hälfte der Songs sind Alternativversionen, die einen lockeren, ungezwungenen Übungsraum-Charakter vermitteln. Ecken und Kanten wurden nicht glattgebügelt. So sind die Aufnahmen mal mehr, mal weniger konzentriert und fokussiert eingespielt. Die Tonqualität ist aber durchweg hervorragend. Der Hörer wird unmittelbar in die Aufnahme-Sessions einbezogen. Die Paradenummern „Maggie May“ und „You Wear It Well“ hat er sich optimal auf den Leib geschneidert. Sie sind hier in solch einem frühen Entwicklungsstadium dokumentiert, dass sogar die Texte noch unvollständig sind. Die Band begleitet die locker trabenden Songs jedoch souverän. Ansonsten freut sich der Sammler, der noch nicht alles komplett hat, über vier rare Single-Tracks, die musikalisch zu den Höhepunkten der Compilation gehören. Davon ragen der elegante Philly-Soul „Oh! No Not My Baby“ und der Stomper „Jodie“, der durch eine gelungene Slide-Gitarren-Einlage von Ron Wood auffällt, besonders hervor.

Der unverwüstliche Bobby Womack-Titel „It`s All Over Now“ bekommt einen überschäumenden Boogie-Zuschnitt verpasst und die Country-Ballade „What`s Made Milwaukee Famous“, die 1968 von Jerry Lee Lewis gesungen wurde, wird stilecht und überzeugend vertont. Von den Alternativ-Fassungen gefällt „ A Natural Man“ am besten. Diese Variante ist nicht so üppig arrangiert wie seine offizielle Veröffentlichung auf „Smiler“. Dadurch gewinnt sie aber an Ausdruck und Reife. Der Solopart wird hier anstatt von einer Gitarre von einer Geige übernommen, die herrlich traurig und verloren klingt. Seine Interpretation kann es sogar mit der von Bobby Womack aufnehmen. Unübertroffen ist natürlich die göttliche Version von Aretha Franklin.

Keine Frage, für die Errungenschaften seiner Frühphase hat Rod Stewart die Aufnahme in die Rock`n`Roll Hall of Fame verdient. Irgendwann sind dann in seinem Leben andere Dinge wichtiger geworden als die Musik und er fing an, seinen Erfolg zu verwalten, berechenbar und seicht zu werden. Und für das, was er seinen Fans teilweise musikalisch in diesem Jahrtausend auf CDs angetan hat, sollte man ihm seine Ehrungen wieder abnehmen. Oder besser: „Rarities“ hören und sich an den (diesmal wirklich) guten alten Zeiten erfreuen.

Anspieltipps:

  • It`s All Over Now
  • A Natural Man
  • Jodie
  • Oh! No Not My Baby

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